LESERBRIEFE

jörg isenberg

Von jörg isenberg (freiburg)

So, 15. Dezember 2019

Leserbriefe

VERKEHRSWENDE

ZUM ARTIKEL "VERKEHRSWENDE AUF BEFEHL" IN DER AUSGABE VOM 8. DEZEMBER:

80 Prozent gehören allein dem Auto

In dem Artikel wird Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag mit der Aussage zitiert: "Wir müssen Stadt für alle sein." Gleichzeitig äußert er sich negativ über die Initiative. Ich frage mich, ob Herrn Haag die Realität des Freiburger Straßenraums präsent ist? Egal ob Wohngebietsstraßen oder große Hauptverkehrsstraßen, überall das gleiche Bild: Geschätzt rund 80 Prozent des Straßenquerschnitts "gehören" dem Auto. Radfahrer und Fußgänger kriegen die verbleibenden Flächen am Rand. Wenn nicht genug da ist: Pech gehabt. Wo ist da die "Stadt für alle"? Vor allem wenn man bedenkt, dass mit dem Kraftfahrzeug nur circa 21 Prozent der innerstädtischen Wege in Freiburg bewältigt werden, mit dem Rad und zu Fuß aber zusammen circa 63 Prozent. Es ist schade, aber dringend notwendig, dass es einer Initiative wie des Fuß- und Radentscheids bedarf, um die Sonntagsreden von Herrn Haag in praktische Politik umzusetzen.

jörg isenberg, freiburg

Plädiere für den Fuß- und Rad-Entscheid

Überall auf der Welt sind die Auswirkungen des Klimawandels spürbar. Für die Verkehrswende brauchen wir wirksame Maßnahmen beim Klimaschutz, um die zukünftigen Wetterextreme zu reduzieren. Gerade im Verkehrssektor ist der Klimagas-Ausstoß in den letzten Jahren sogar wieder angestiegen. Die Folgen sind für uns alle jeden Tag spürbar: Lärm, schlechte Luft, Staus, Unfälle mit Getöteten und Verletzten, schlechte Bus- und Bahnanbindungen auf dem Land, Stress und Enge in der Stadt. Der zunehmende LKW- und PKW-Verkehr heizt das Klima immer weiter auf. Versiegelte Flächen schaden Böden, begünstigen Hochwasser und erwärmen die Stadt. Deshalb wäre es zukunftsweisend, in bereits bestehenden mehrspurigen Straßen eine Spur für Radfahrer zu nutzen, die Straßenflächen und PKW-Stellplätze in der Stadt zugunsten des Rad- und Fußverkehrs zu reduzieren. Es ist höchste Zeit für nachhaltigen, respektvollen Umgang mit den noch verbliebenen natürlichen Ressourcen, die wir leichtfertig den kommenden Generationen rauben. Deswegen plädiere ich für einen Bürgerentscheid zum Rad- und Fußverkehr, bei dem auch unsere Jugendlichen ab 16 Jahren mit entscheiden.

Margarete Schumacher, Freiburg


Wichtige Straßen unter die Erde legen

Seit über 8 000 Jahren leben Menschen in Städten, die Fußgänger beherrschten den städtischen Raum, gelegentlich gestört durch Reiter und Fuhrwerke. Vor etwa 80 Jahren eroberte das Automobil den städtischen Raum und verscheuchte die Fußgänger an die Ränder und in den Untergrund. Ein aus ethischen Gesichtspunkten anfechtbarer, menschenfeindlicher Vorgang, mit zivilem Rechtsverständnis unvereinbar. Allein durch Umkehrung der Herrschaftsverhältnisse, wie im Artikel in Der Sonntag beschrieben, lässt sich dieses Elend nicht beheben. Die Lösung besteht darin, die wichtigsten innerstädtischen Straßen unter die Erde zu legen. Dem "U-Automobilisten" stünden damit kreuzungsfreie, auf mehrere Ebenen verteilbare Wege zur Verfügung.

Dass dies enorme Summen kostet, ist außer Frage. Die Tatsache, dass seit Jahrzehnten in Städten wie Köln, Essen, Düsseldorf, Stuttgart und Karlsruhe Milliarden an Euro für den U-Bahnbau und damit für die Vertreibung der Fußgänger und ÖPNV-Kunden in den Untergrund investiert werden, zeigt, dass genug Geld für solche unterirdische Verkehrsanlagen da ist! Es wird fatalerweise falsch eingesetzt! Das "U-Auto" bietet die Möglichkeit, "oben" die für Fußgänger, Radfahrer und den ÖPNV erforderlichen Verkehrsflächen einzurichten. Dazu gehört auch eine ordentliche Kapazitätserweiterung des ÖPNV — neue Strecken und eine großzügig erweiterte Tramflotte.

Lukas Kaufhold, Freiburg

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