Leserbriefe

Gerhard Dietsche

Von Gerhard Dietsche (Emmendingen)

Mi, 18. November 2020

Emmendingen

EMMENDINGER HAUSHALT
Auf Sicht in die Schuldenkrise
Zum Bericht über die Vorberatung zum neuen Emmendinger Haushalt im Hauptausschuss des Gemeinderats (BZ vom 7. November):
Gerhard Walser stellt fest, dass die Stadt Emmendingen im Haushalt 2020 noch von stabilen Rücklagen zehren kann. "Doch schon 2021 werden Kredite in Millionenhöhe fällig werden, um die dringendsten Investitionen und Aufgaben überhaupt finanzieren zu können". Meinen Sie damit, dass Kredite im kommenden Jahr zurückgezahlt werden müssen, also fällig werden oder dass neue Kredite aufgenommen werden müssen? Das ist unklar.

Wenn aber Kredite im nächsten Jahr zur Rückzahlung fällig werden, dann müssen die vorhandenen Finanzrücklagen zunächst zur Tilgung dieser Darlehen verwendet werden. Für notwendige Investitionen bleibt dann nichts mehr übrig – außer sich erneut zu verschulden. Dieser Weg führt "auf Sicht" in die Schuldenkrise, die dann von der nächsten Generation bewältigt werden muss. Verantwortliches wirtschaftliches Handeln sieht anders aus.

Gerhard Dietsche, Emmendingen

CORONA-ZAHLEN
"Mehr Mut zur Transparenz"
Zur Berichterstattung über die Zahl der an Corona Infizierten im Landkreis Emmendingen (BZ vom 6. November):
Keine Veröffentlichung der Corona-Infektionen im Landkreis Emmendingen. Warum? Eigentlich müssten wir Herrn Landrat Hurth und dem gesamten Kreistag dankbar sein. Sie übernehmen Verantwortung und sind sehr besorgt um "ihre Kreiskinder". Sie muten uns nicht zu, dass wir eventuell Bescheid wissen wollen, wie viel Corona-Infektionen es in den einzelnen Kreisgemeinden gibt. So können wir uns ungeniert und sorgenfrei bewegen und uns in vermeintlicher Sicherheit wiegen.

Ich muss allerdings sagen, dass es doch gerade in der heutigen Zeit angebracht wäre, für ein Maximum an Transparenz zu sorgen, um gerade Fake-News, Verschwörungstheorien unso weiter entgegen zu wirken. Somit könnte doch ein Beitrag geleistet werden, um der Politikverdrossenheit auf allen politischen Ebenen Paroli zu bieten und den Eindruck der Kungelei und der "Hinterzimmer-Politik" entgegen zu wirken. Dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gelingt dies zumindest in Bezug auf die Veröffentlichungen der Coronazahlen, und wie man sieht, schadlos. Also Herr Hurth, mehr Mut zu Transparenz und Bürgernähe!!

Dieter Gühr, Waldkirch

TEMPO 30
Vielerlei Maß in "Zämmedinge"
Zum Bericht über Tempo 30 "Das Ende des Flickenteppichs" (BZ vom 12. November):
Als Anwohner der L 186 ist man schon froh, dass einmal die Spitze des Eisberges in der Zeitung erscheint. Ist die "Vollgasreuterstraße" wie sie von manchen Emmendingern auch liebevoll genannt wird, doch ein Sinnbild des vielerlei Maßes in unserem Städtchen, nicht nur wegen dem Flickenteppich verschiedener nächtlichen Fahr-Tempos.

Während nämlich andere Ortsdurchfahrten um Emmendingen herum und selbst in Freiburg viele – auch zweispurige – Verkehrswege schon lange auf vierundzwanzig Stunden-Betrieb mit 30 Stundenkilometer samt Installation von Blitzern umgestellt haben, tut man sich hier in Emmendingen unendlich schwer: Obwohl doch bereits seit Jahren ein Lärmaktionsplan besteht, soll nochmals gerechnet werden - freilich ohne Bahnlärm, der soll mal schön außen vor bleiben.

Und während in Emmendingen die wunderschönsten, aber auch nicht gerade billigen Kreisverkehre erblühen, gelingt es nicht, wenigstens die wenigen Querungshilfen an der Kollmarsreuterstraße mit einem Zebrastreifen zu versehen, um Fußgängern zu ermöglichen, sicher auf die andere Seite zu kommen. Dabei liegen "gute Gründe" wie die Querung des Schulweges vom Bürkle/Bleiche ins Schulzentrum GGE/GHSE hierfür eindeutig vor.

Die Redakteurin deckt gut auf, dass es das Versäumnis der Stadt ist, denn die Straßenverkehrsbehörde hat ja beim RP in Freiburg noch gar keinen Antrag gestellt!

Dennoch erscheint im Bericht noch Vieles geschönt: Windenreute hat ja, so heißt es – bis auf die Panoramastraße – Tempo 30 und 100 Meter um die Schule in Kollmarsreute herum ist ja tatsächlich auch schon 30 ganztags. An der L 186, um die es ja im Lärmaktionsplan geht, wurde im Sommer auf der Höhe der Einfahrt Lessingstraße ein Fußgänger frontal überfahren und erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen am Kopf. Durch die Nachverdichtung wird der Verkehr noch zunehmen. Der Schwerlastverkehr aus und Richtung Elztal, viele Busse und die Moral aller, hier Gas geben zu können, nehmen einen aber eher wunder, dass es hier nicht noch öfter jemanden trifft, in unserem "Zämmedinge".
Tilmann Künstle, Emmendingen