Leserbriefe

Manfred Kubitschek (Elzach )

Von Manfred Kubitschek (Elzach )

Mi, 23. September 2020

Leserbriefe Emmendingen

ELZTALBAHN

Eine Verhöhnung der Pendler
Brief zum BZ-Artikel vom 27. August: "Es wird ein halbes Jahr länger gehen. Die Inbetriebnahme der sanierten Elztalbahn erst im Juni 2021.

Zur Erinnerung: Im Februar 2020 erklärte die Bauleitung der DB Netz AG vor erstaunten Zuhörern in der Festhalle Oberwinden, dass die Arbeiten zur Elektrifizierung der Elztalbahn bis Dezember 2020 andauern werden. Auf Nachfrage begründete man dies unter anderem mit der Erneuerung der Stellwerkstechnik in Denzlingen. Anfang März, dann die üblichen Sonntagsreden der Beteiligten von Politik und Bahn beim symbolischen Start der Bauarbeiten in Bleibach. Danach wurde mal hier und da gebaut und das Coronavirus bestimmte das Weltgeschehen.
Dadurch verringerte sich die Verkehrsnachfrage rapide und machte die Benutzung des Schienenersatzverkehrs auf der überlasteten B 294 einigermaßen erträglich! Denn ganz ehrlich, die sieben Oldtimer der Firma Hagro/Karlsruhe, die die Hauptlast des Busverkehrs tragen, sind keine Werbung für den ÖPNV. Verwunderlich war, dass seit März 2020 von offizieller Seite nie eine Mitteilung zum Sachstand der Bauarbeiten zu hören war. Es erschienen lediglich Bildberichte über einzelne Baumaßnahmen in der BZ oder wertfreie Berichte in der DB App Breisgau 2020. So wurde der betroffenen Bevölkerung ein falsches Bild vom Stand des Projektes suggeriert!
Bewusst?
Fakt ist, dass zum Jahrtausendwechsel bei Umbaumaßnahmen der Elztalbahn, die Arbeitsaufwände ähnlich hoch waren, wie bei der Elektrifizierung. Der Haltepunkt in Batzenhäusle erhielt damals eine neue Lage, Bahnsteige wurden neugebaut und später wurden zwischen Waldkirch und Elzach neue Gleise verlegt. Die Strecke war jeweils voll gesperrt. Die Baumaßnahmen konnten aber pünktlich abgeschlossen und der zeitraubende Busersatzverkehr auf ein Minimum reduziert werden.
Und heute? Die Streckenlänge von Denzlingen nach Elzach beträgt 19,3 Kilometer. Laut DB App begannen die Arbeiten im Elztal im Januar 2020 und enden voraussichtlich im Juni 2021. Rein statistisch ergibt das pro Monat einen Baufortschritt von 1,13 Kilometer!
Beim missglückten Start der S-Bahn von Breisach/Endingen nach Villingen/Schwarzwald, wollten Mitglieder des Emmendinger Kreistag, DB Regio als Betreiber des dortigen Zugverkehrs noch wegen Körperverletzung verklagen. Im August 2020 waren die Stellungnahmen zum Dilemma im Elztal dagegen sehr zurückhaltend. Außer einem Bedauern zur Verschiebung und die Hoffnung eventuell vor 2021 bis Waldkirch fahren zu können, war aus den Rathäusern, dem Landratsamt und dem Verkehrsministerium in der Landeshauptstadt nix zu hören!
Liegt das "große Schweigen" vielleicht auch daran, dass die SWEG als Betreiber des Zugverkehrs auf der Elztalstrecke derzeit große Personalprobleme hat und der Hersteller der bestellten Triebwagen in absehbarer Zeit die Fahrzeuge nicht liefern kann? Dazu sind die Dieseltriebwagen, bekanntlich zwischen Freiburg und Denzlingen im Einsatz, altersbedingt und nur minimal gewartet, am Ende ihrer Nutzungszeit angelangt beziehungsweise schon darüber hinaus!

Egal welche Variante letztendlich die Ursache für die Verlängerung der Sperrpause war, der Umgang der Verantwortlichen mit dem Sachverhalt ist schon dreist. Geradezu eine Verhöhnung der Pendler, die aus verschiedenen Gründen nicht den einfacheren Weg wählen und das Auto benützen!

Manfred Kubitschek, Elzach