Lesermeinung

Maximilian Philipp ( Emmendingen)

Von Maximilian Philipp ( Emmendingen)

So, 21. Juni 2020

Leserbriefe

RASSISMUS

ZUM ARTIKEL "GEH ZURÜCK IN DEIN LAND" IN DER AUSGABE VOM 14. JUNI:

Botschaft, die jeder versteht

Abgesehen von meiner grundsätzlich kritischen Haltung gegenüber Anglizismen halte ich deren Gebrauch im Zusammenhang mit der aktuellen Rassismusdebatte für regelrecht kontraproduktiv. Wir rufen "Black lives matter", sagen "people of color" und verlagern damit das Problem in den angloamerikanischen Raum. Als verbindendes Element ist die Sprache in der Diskussion von elementarer Bedeutung und sollte von allen verstanden werden, insbesondere von den vielleicht wichtigsten Adressaten, nämlich der älteren und/oder bildungsferneren Bevölkerung. Ansonsten reduzieren wir die Sache auf einen reichlich theoretischen Austausch von Argumenten innerhalb der kosmopolitischen Eliten. Fettes Brot reimten zum Beispiel schon 1993 die schönen Zeilen: "Schwarzbrot, Weißbrot, Scheiß auf den Farbcode!" Das ist uralt, nicht zu 100 Prozent anglizismusfrei und enthält Fäkalsprache, ist dafür aber eine Botschaft, die jeder versteht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jemand beleidigt fühlt als "dunkelhäutiger Mensch" bezeichnet zu werden. Könnten wir uns darauf einigen?

Maximilian Philipp,
Emmendingen


GRENZEN

ZUM BERICHT "HOFFEN, DASS NICHTS ZURÜCKBLEIBT" IN DER AUSGABE VOM 7. JUNI:

Zweifel am angeblich weltoffenen Dreiland

Sie schreiben in Ihrem Artikel, Medien berichten von "Ausfällen auf Supermarktparkplätzen im Saarland": Leider gab es derartige Zwischenfälle auch im Dreiland, ich wurde wiederholt auf einem Supermarktparkplatz in Weil übelst beschimpft. Ich wohne in Deutschland, fahre berufsbedingt einen Wagen mit französischem Kennzeichen. Aber dieses Detail interessierte diese Pöbler keineswegs. Diverse Lokalpolitiker gießen mit ihren Kommentaren weiter Öl ins Feuer. Solche Zwischenfälle lassen mich am vermeintlich so weltoffenen Dreiland nachhaltig zweifeln. Es bleibt etwas zurück, soviel ist sicher.Wiebke Wunderlich-Wippert, Lörrach

CORONA-PROTESTE

ZUM BERICHT "DIE ORGANISATOREN SIND VERANTWORTLICH" IN DER AUSGABE VOM 17. MAI:

Verharmlosung des Genozids

Der Interviewte Michael Wehner verwahrt sich vor Parallelen zwischen dem Infektionsschutzgesetz vom 1.1.2001 und der Außer-Kraft-Setzung der Grundrechte am 28.2.1933 als "historisch völlig unkorrekt und ... Verhöhnung der Millionen von Opfern und Toten, die unter dem NS-Terror leiden mussten". Wenn also auf bisherigen Corona-Demos einige Teilnehmer/innen den Davidstern tragen, setzen diese Personen damit ihre Lage in einem demokratischen Rechtsstaat mit der der Jüdinnen und Juden gleich, die einen gelben Stern vom 1.9.1941 bis zum 8.5.1945 tragen mussten und die damit schutzlos vor willkürlichen Übergriffen waren. Auf diese Weise wurde das für das Judentum bedeutsame Symbol im Zuge der schrittweisen Diskriminierung bewusst missbraucht. Es wurde zugleich zu einem der Symbole des millionenfachen Mordes an jüdischen Menschen. Wer es sich jetzt zu Nutze macht, instrumentalisiert das Leiden der Ermordeten wie Überlebenden der Shoah für eigene Zwecke. Die eigene Meinung kann jede und jeder frei äußern, ohne dies auf eine Art zu tun, die von Betroffenen als Verharmlosung des Genozids empfunden wird.

Norbert Schmeiser,Waldshut-Tiengen
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