Leute, die ähnlich ticken

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Von dpa

Di, 31. August 2021

Liebe & Familie

Wie man im Erwachsenenalter neue Freundschaften schließen kann.

Im Klassenzimmer und im Hörsaal war es unkompliziert: Einfach die Person neben einem anquatschen, und – zack – rutschte man mitunter ohne große Mühen in eine jahrelange Freundschaft. Im Erwachsenenalter läuft das anders: Zeit und mentale Kapazitäten, sich auf neue Menschen einzulassen, sind bei vielen knapp bemessen. "In dieser Lebensphase verlagert sich das Leben in Richtung Partnerschaft, Familie und Beruf", sagt Wolfgang Krüger, Psychotherapeut und Autor. Ist damit der Zug für neue Freundschaften abgefahren?

Keinesfalls, sagt Krüger: "Je älter man wird, desto mehr Potenzial für gute Freundschaften gibt es – schließlich hat man dann mehr Menschenkenntnis, Humor und eher eine Freundschaft mit sich selbst." Doch wie findet man die passenden Leute? Diplom-Psychologin und Autorin Natalie Wintermantel (schander-coaching.de) sagt: "Es ist vorab sinnvoll, sich die Frage zu stellen, was Freundschaft für einen selbst eigentlich bedeutet." Geht es darum, der Einsamkeit zu entkommen? Oder darum, ein Hobby teilen zu können? So schafft man Klarheit darüber, mit welchen Erwartungen man in die Suche einsteigt.

Bleibt die Frage, wo man auf Menschen trifft, mit denen man sich mehr als Smalltalk vorstellen kann. Was in der Kindheit auf dem Bolzplatz galt, gilt auch noch im Erwachsenenalter: Gemeinsame Interessen verbinden. Volkshochschulkurse Sportvereine, ehrenamtliche Tätigkeiten, Facebook-Gruppen: Es gibt viele Orte und Aktivitäten, bei denen man mit Leuten ins Gespräch kommen kann, die ähnlich ticken. Doch eine Garantie, so neue Freundinnen und Freunde zu rekrutieren, gibt es nicht. Das hat auch die Redakteurin und Bloggerin Eva Mell (evameintsgut.de) erlebt, als sie im Zuge eines Selbstversuchs nach neuen Freundschaften gesucht hat: "Der Spanischkurs und der Nähkurs an der VHS haben für mich nicht funktioniert – es gab zu wenig Interaktion vor und nach den Kursterminen." Erfolgreicher waren die Sprachtandems mit zwei spanischen Muttersprachlerinnen, wo erst gute Gespräche und dann gute Freundschaften entstanden. "Allerdings war die wirkungsvollste Sache, um neue Freunde zu finden, ein Kind zu bekommen", berichtet Mell mit einem Augenzwinkern. Sie erinnert sich, wie sie all ihren Mut gesammelt hat, um die sympathische Zimmergenossin im Krankenhaus nach ihrer Telefonnummer zu fragen. Noch immer sind beide befreundet.

Und was braucht es, damit sich eine lose Bekanntschaft in eine feste Freundschaft wandelt? "Es geht darum, Interesse an anderen zu zeigen. Dafür sind wir alle empfänglich", sagt Wintermantel. Gerade in der Anfangsphase gibt es unendlich viele Fragen, um einen Menschen besser kennenzulernen – von seinen Wünschen bis zu Lieblingsfilmen von früher.

Eine weitere Strategie, um neue Leute kennenzulernen, verbreitete sich kürzlich auf der Video-Plattform TikTok. Nutzer "connorthemiller" schlug vor, regelmäßig dieselben Orte, zum Beispiel ein bestimmtes Café, aufzusuchen. Wenn man so öfter dieselben Leute trifft, lernt man sie eher kennen. Das Video stieß auf großes Interesse, es wurde bislang über sechs Millionen Mal angeschaut.