Interview

Gräfin Schönfeldt: "Jeder ist die Autorität für Anstand"

stc

Von stc

Mo, 21. März 2011

Liebe & Familie

Sybil Gräfin Schönfeldt spricht über die Bedürfnisse, gemeinsam zu essen, anderen zu helfen und anerkannt zu werden.

Sybil Gräfin Schönfeldt hat sich als Kolumnistin der Wochenzeitung "Die Zeit" und als Buchautorin ein halbes Leben lang mit dem Thema Anstand befasst, mit den tatsächlichen und den wünschenswerten Umgangsformen in unserer Gesellschaft. Im Gespräch mit Stephan Clauss erklärt die 84-Jährige, warum Anstand heute noch wichtig ist.

BZ: Frau Gräfin Schönfeldt, erklären Sie uns doch bitte einmal frei nach Freiherr Knigge den feinen Unterschied zwischen verordneter Etikette und anständigem Benehmen aus Überzeugung.
Sybil Gräfin Schönfeldt: Dazu bräuchte ich mindestens eine Woche – oder ein ganzes Kinderleben. Denn das ist eine Sache, die wirklich mit den ersten Tagen der Kindheit beginnt. In der Familie lernen die Kinder an vielen Beispielen, wie man sich benehmen muss, um in der Gruppe seinen richtigen Platz zu finden. Natürlich möchte jeder geliebt werden, aber es gilt auch zu lernen, mit denen umzugehen, die man nicht ausstehen kann. Denn beides ist ja wichtig. Und dann kommt dazu, dass man diese äußersten Äußerlichkeiten lernt: dass man sich die Nase in ein Taschentuch schnäuzt; dass man saubere Fingernägel hat und sich die Schuhe putzt; dass man einem älteren Menschen hilft und jemandem die Tür aufmacht; dass man nicht immer gedankenlos durch die Gegend rennt, sondern dass man Rücksicht nimmt, wie das Wort schon sagt. Das heißt: Bleib stehen, schau dich um, wo ist jemand, dem Du helfen oder den Vortritt lassen könntest. Da fällt keinem der berühmte Zacken aus der Krone.

BZ: Nun leben wir ja in einer ziemlich unhöflichen Gesellschaft. In der Talkshow fällt jeder jedem ins Wort, Gastgeber werden ohne Absage versetzt, Beziehungen per SMS beendet, Fußgänger von Rüpelradlern ...

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