Abschiednehmen

Trauern in Corona-Zeiten

Denise Thomas

Von Denise Thomas (KNA)

Mi, 06. Mai 2020 um 13:06 Uhr

Liebe & Familie

Wegen des Coronavirus dürfen Beerdigungen vielerorts nur noch im kleinsten Kreis und unter Einhaltung besonderer Hygienestandards stattfinden. Was macht das mit den Trauernden? Und welche Alternativen gibt es?

In ganz Deutschland können Beerdigungen aufgrund der Corona-Pandemie erstmal nur im kleinen Kreis stattfinden. In einigen Regionen dürfen nur noch Verwandte ersten Grades – also Ehepartner, Eltern und Kinder, nicht aber Geschwister oder Enkel – an Trauerfeiern teilnehmen. Auf den 14 Partnerfriedhöfen der Deutschen Friedhofsgesellschaft finden gar keine Bestattungen mit Angehörigen mehr statt. Zwar schwanken die Begrenzungen abhängig vom Bundesland vom engsten Familienkreis bis hin zu 20 Personen, beschränkt ist die Teilnehmerzahl jedoch überall.

Trauerhallen sind fast überall geschlossen

Außerdem sind fast überall Trauerhallen geschlossen, sodass nur noch unter freiem Himmel von Verstorbenen Abschied genommen werden kann. Die Verbraucherinitiative für Bestattungskultur Aeternitas weist zwar darauf hin, dass die konkrete Anwendung der Vorschriften den zuständigen Behörden vor Ort obliege und dies in Einzelfällen dazu führe, dass die Regelungen noch strenger oder aber auch bürgerfreundlicher ausgelegt würden, das Trauern dieser Tage hat sich trotzdem grundlegend verändert.

"Das ist natürlich ein unglaublicher Eingriff in unseren Alltag, der aber nötig ist", erklärt der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, gegenüber der Rheinischen Post. Dennoch belaste es die trauernden Familien extrem, denn es gehe um den Abschied von einem geliebten Menschen. Rekowski tröstet die Angehörigen mit dem Versprechen von Gottesdiensten zum Gedenken an die Verstorbenen, sobald sich die Corona-Lage geklärt habe.
"Corona wird sicherlich die Trauer grundsätzlich verstärken", sagt Trauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper

Wie schwer die aktuelle Situation für Hinterbliebene ist, weiß auch die Trauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper. "Corona wird sicherlich die Trauer grundsätzlich verstärken, weil alles so unberechenbar und verrückt ist", sagt sie. Trauer bringe die Welt ohnehin aus den Fugen, weil nichts mehr so sei, wie es war. Durch die Corona-Krise komme eine zusätzliche Unsicherheit in dieser ohnehin schwierigen Lage hinzu.

Wegen der Einschränkungen können viele Menschen nicht so Abschied nehmen, wie sie sich das wünschen. Schroeter-Rupieper rät Betroffenen deswegen, sich alternative Formen des Abschiednehmens zu suchen: Sie könnten etwa vor der Beerdigung einen Brief oder Blumen in das bereits ausgehobene Grab legen oder jemanden die Beerdigung filmen lassen für diejenigen, die nicht kommen dürfen.

Die Trauerbegleiterin ermutigt die Menschen außerdem, nach neuen Formen zu suchen, um Beileid auszudrücken. "Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, dass wir uns neue Worte einfallen lassen, die sinnvoll sind und zu uns passen", erklärt Schroeter-Rupieper. Instinktiv und rituell werde immer die Hand ausgestreckt oder in den Arm genommen; neue Wegen der Beileidsbekundung müsse man erst lernen. "Die Nähe bekommt man auch durch Worte oder Blickkontakt hin", sagt sie.

Beerdigungen über Onlinedienste übertragen

Es sei in dieser speziellen Situation besonders tragisch, wenn man nicht mehr wie gewohnt Trost spenden könne durch Umarmungen oder einen Handschlag, sagt hingegen der Pressereferent der Verbraucherinitiative für Bestattungen Aeternitas, Alexander Helbach. Der Verein appelliert dennoch an die Betroffenen, für die restriktiven Maßnahmen Verständnis zu zeigen. Außerdem verweist Aeternitas auf die Möglichkeit, Beerdigungen über Onlinedienste zu übertragen oder sie – im Falle einer Feuerbestattung – zu verschieben. Die Fristen seien hier zwar je nach Bundesland verschieden, Ausnahmeregelungen aber meist ohne Probleme möglich, so Helbach.

Online-Portale wie Soulium könnten in Zeiten von Corona ebenfalls eine Alternative für manche Trauernden sein. Sie bieten die Möglichkeit, online Gedenkstätten anzulegen und sich mit anderen Trauernden auszutauschen. Neben Bildern können auch Videos oder Nachrufe hinzugefügt werden. Kondoliert wird per Direktnachricht: eine weitere Form, während der Corona-Krise einerseits Trauer, andererseits auch Mitgefühl auszudrücken.
Hilfe in Krisen

Telefonseelsorge
Rund um die Uhr ist die Telefonseelsorge kostenfrei erreichbar für Menschen in Notsituationen, Krisen oder alltäglichen Belastungen.
Tel. 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222
http://www.telefonseelsorge.de

Arbeitskreis Leben (AKL)
Beratungsstelle für suizidgefährdete Menschen, Menschen in Lebenskrisen und Hinterbliebene nach Suizid
Tel. 0761/3 33 88, Mo., Mi., Fr.: 10–13 Uhr; Di., Do. 14–16 Uhr
https://www.ak-leben.de