Interview

Warum Donaldisten glauben, dass Entenhausen existiert

Jürgen Schickinger

Von Jürgen Schickinger

Mo, 01. April 2019 um 23:15 Uhr

Literatur & Vorträge

Die Donaldisten treffen sich in Freiburg, um sich über die Comicfigur Donald Duck auszutauschen. Ein Interview mit Patrick Martin, Ehrenpräsident der Organisation.

Wo liegt Entenhausen – in einer anderen Dimension oder hat es subatomaren Maßstab? Erstmals treffen sich die Fachleute der D.O.N.A.L.D. in Freiburg. Auf ihrem 42. Kongress werden sie Neues zu Lage und Wesen der Heimat von Disneys Comicfigur Donald Duck vorstellen. Veranstalter ist Patrick Martin, Ehrenpräsident der Donaldisten-Organisation. Jürgen Schickinger sprach mit dem Geologen und Schadstoffgutachter aus Riehen über das historische Ereignis.

BZ: Herr Martin, welche epochalen Erkenntnisse zu Entenhausen gab es zuletzt?
Martin: Wir konnten nach jahrzehntelangem Bemühen aufzeigen, wie sich Donalds Neffen Tick, Trick und Track unterscheiden. Denn die Mützenfarbe stammt nicht vom Zeichner Carl Barks. Davon abgesehen, gleichen sich die Neffen äußerlich vollkommen. Es gab darum schon die Theorie, es handle sich um ein Mehrfachwesen – ein Wesen in mehreren Körpern. Nun hat eine Psychologin nachgewiesen, dass sie sich charakterlich deutlich unterscheiden: Tick ist eher forsch, Trick eher zurückhaltend und Track vermittelt zwischen den beiden.

BZ: Es sind also drei Neffen, nicht vier, wie teils vermutet?
Martin: Zu sehen sind meistens nur drei, aber es gibt eindeutig vier Neffen! Dafür existieren Belege. Etwa in der Geschichte "Die Gipfelstürmer des Piz Perdü" erscheinen in einem Bild vier Neffen. Der vierte tritt nur in besonderen Notsituationen auf. Wir nennen ihn Treck.

BZ: Was genau ist D.O.N.A.L.D.?
Martin: Die Deutsche Organisation Nichtkommerzieller Anhänger des Lauteren Donaldismus. Donaldisten haben sich der Erforschung des Entenhausen-Universums auf wissenschaftlicher Grundlage verschrieben. Wir beziehen uns dabei im Wesentlichen auf den Barksismus-Fuchsismus, die von Carl Barks gezeichneten und von Erika Fuchs ins Deutsche übertragenen Berichte. Wir tagen jedes Jahr woanders, diesmal in Freiburg. Das hing an mir. Ich habe die Stadt vorgeschlagen, weil meine Familie ursprünglich vom Kaiserstuhl kommt.

BZ: Wie läuft der Kongress ab?
Martin: Wir eröffnen und beenden ihn mit unserer Hymne "Der rührselige Cowboy", einer Schnulze, die Donald Duck geschrieben hat. Dazwischen gibt es im Wesentlichen wissenschaftliche Vorträge, wie es sich für einen ordentlichen Kongress gehört. Außerdem vergeben wir den Professor-Püstele-Preis für die herausragende Arbeit des letzten Jahres.

BZ: Eignet sich das Programm auch für Laien?
Martin: Auf jeden Fall. Der Eintritt ist frei. Das interessierte Publikum ist herzlich eingeladen. Wer kommt, möge bitte beachten: Wir klatschen nicht, sondern rufen "Klatsch, klatsch, klatsch!". Auch das Hochhalten von Sprechblasen ist statthaft. Ab etwa 18 Uhr beginnt aber die Mitgliederversammlung. Sie besteht aus Wahlen und ist nichts fürs Publikum.

BZ: Wie sind Sie Donaldist geworden?
Martin: Donaldist wird man nicht. Man erkennt allenfalls, dass man es schon immer war. Im Grunde sind alle Kinder Donaldisten. Sie hinterfragen Dinge, die ihrer Alltagserfahrung widersprechen, etwa wenn Donald einmal fünf Finger hat, dann wieder vier. Wir haben unsere kindliche Neugier allerdings bis ins Erwachsenenalter erhalten und befriedigen sie durch Forschung. Bei der wechselnden Fingerzahl handelt es sich um "spontane Polydaktylie", plötzliche Vielfingrigkeit.

BZ: Was haben Sie schon erforscht?
Martin: Ich habe beispielsweise ein Lexikon aller Entenhausener Tierarten erarbeitet. Weiter ist es mir gelungen darzulegen, dass Donald Duck gar keine Ente ist, sondern ein Mensch. Das verdeckt ein spezielles Gewebe, das Morphothel. So verhält es sich bei fast allen Entenhausenern, die wie Tiere aussehen und sich wie Menschen verhalten: Die wenigen Röntgenbilder, die wir von ihnen haben, zeigen eindeutig menschliche Skelette! Zudem konnte ich beweisen, dass Donald nur ein großes Auge mit zwei Pupillen hat und dass Entenhausen von drei Monden umkreist wird.

BZ: Gibt es noch große ungelöste Fragen um Entenhausen?
Martin: Wir nennen die Entenwelt Anaversum – aus Universum und Anas, der wissenschaftlichen Bezeichnung für Ente. Eine große Grundfrage bleibt: Wo ist Entenhausen? In der Zukunft? In einer anderen Dimension? Dazu gibt es wahrscheinlich Diskussionen auf dem Kongress. Zwei Kollegen werden mit neuen Theorien meiner widersprechen. Die "Theorie von Allem" postuliert, das Anaversum befände sich in einem subatomaren Größenmaßstab. Quanteneffekte würden da eine eminente Rolle spielen und könnten viele seiner Phänomene erklären. Klar ist nur: Entenhausen existiert!

42. Kongress der D.O.N.A.L.D. am 6. April von 12 bis 18 Uhr in der Universität Freiburg, Kollegiengebäude I, Platz der Universität 3.