Literaturfestival geht ins Autokino

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 26. Juni 2020

Ortenaukreis

Beim 23. Hausacher Lese-Lenz ist alles anders: Wegen Corona erstreckt sich das Festival über ein halbes Jahr, ist analog und digital.

(BZ). Den Besonderheiten der Corona-Pandemie und der wirtschaftlich prekären Situation von Dichtern und Schriftsteller zollt der "Hausacher Lese-Lenz 2.0" Tribut. Vom 3. Juli bis 31. Dezember 2020 findet das Literaturfestival in gewandelter Form statt. Dabei spielt das Digitale eine große Rolle. Die Eröffnung mit dem Schriftsteller Ilija Trojanow findet im Autokino statt.

Der Vorstellung des Festivalkonzepts stellt sein Gründer, der Hausacher Dichter José F. A. Oliver, ein Zitat des Romanciers Cees Noteboom aus der Neue Zürcher Zeitung vom 23. Mai 2020 voran: "Wer denkt, die Welt werde jemals wieder so wie früher, der irrt. Denn auch wenn es demnächst vielleicht wieder ein bisschen so aussieht wie früher, es ist etwas passiert, was sich nicht mehr vergessen lässt, allein schon, weil es in langen Zeiten der Stille in vielen Köpfen gespeichert wurde, wo es lange umhergeistern kann wie alle Träume und Albträume."

Gemeinsam mit der stellvertretenden Festivalleiterin Ulrike Wörner hat Oliver beschlossen, weder den Lese-Lenz 2020 abzusagen noch einen "Not-Lenz" zu konzipieren, vielmehr einen "LeseLenz 2.0" zu schaffen. Das Konzept ist laut Oliver eine Antwort auf die derzeitigen sozialen, kulturellen und politischen Verhältnisse und die sich mit ihnen ständig aktualisierenden gesellschaftlichen Gegebenheiten. Dabei möge laut Oliver eine Erkenntnis des Dichters Friedrich Hölderlins Patin stehen: "Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch. Wir müssen unserem Zusammenleben gemeinsamere Wege im Sozialen, Ökonomischen, Ökologischen und Kulturellen bereiten. Dafür brauchen wir eine Sprache der Hoffnung, und Literatur öffnet unsere Sprache(n) ins Unvorstellbare und damit ins Mögliche."

Das Rahmenkonzept verfolgt laut Oliver folgende Hauptmotive: Der "LeseLenz 2.0" erstreckt sich vom 3. Juli bis 31. Dezember. Er verbindet analoge und digitale Veranstaltungen, er setzt für Autorinnen und Autoren sozialverträgliche Akzente und begreift Solidarität als systemrelevanten Teil der Kultur. Außerdem setzt er laut Pressemitteilung weiterhin auf ein Europa der Gemeinsamkeiten.

Durch das Konzept, den Lese-Lenz zu strecken, sei gewährleistet dass das Programm, den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden kann. Damit eine mit den jeweiligen Verordnungen abgestimmte Durchführbarkeit gewährleistet.

Die Verbindung von analogen und digitalen Modulen biete eine abwechslungsreiche, inhaltliche Kontinuität und gebe die Chance eine digitale Weiterentwicklung des Lese-Lenzes zu testen.

Da die wirtschaftliche Not vieler solo-selbständiger Künstlerinnen und Künstler groß ist, weil die meisten ihrer Veranstaltungen abgesagt werden mussten, ist es ein Anliegen des Lese-Lenzes alle bis dato eingeladene Autorinnen, Werkstattleiter, Moderatorinnen und Künstler 2020 nicht nur inhaltlich, sondern auch finanziell zu berücksichtigen und "sozialverträgliche" Lösungen zu finden, dass zumindest ein Teil des vorgesehenen Honorares bezahlt werden kann. Damit setzt der Lese-Lenz kulturpolitisch einen wichtigen Akzent.