Geplante Aldiansiedlung

Löffinger Bürger zwischen Skepsis und Vorfreude

Christa Maier

Von Christa Maier

Di, 30. Juni 2020 um 18:10 Uhr

Löffingen

In einer BZ-Umfrage unter Löffinger Bürgern zur geplanten Aldiansiedlung sind sich die meisten in einem Punkten einig: Den Geschäften der Innenstadt wird der Discounter wohl nichts anhaben können.

LÖFFINGEN. 20 Jahre lang war Lidl alleiniger Lebensmittelanbieter im Gewerbegebiet an der Bundesstraße 31, jetzt rückt mit Aldi ein Mitbewerber auf den Plan. Was meinen die Löffinger dazu? Halten sie die Ansiedlung für notwendig? Für wünschenswert? Für überflüssig? Unsere Mitarbeiterin Christa Maier hat sich umgehört.

Einen Aldi hält Manfred Lauble aus Seppenhofen nicht für notwendig, genauso wenig wie etwa zehn verschiedene Erdbeermarmeladensorten im Regal. Auch sieht er den Flächenverbrauch kritisch, der durch ein solches Überangebot entstehe. Seine Meinung: Auch bei der Hälfte der Verkaufsfläche würde man alles bekommen, was man braucht, wenn auch nicht in zehnfacher Variante. Dass der Einzelhandel unter der Ansiedlung leidet, glaubt er weniger: "Kunden, die Wert auf Regionalität leben, unterstützen auch weiterhin die Erzeuger vor Ort und stärken die heimische Wirtschaft", sagt er. Die Entschärfung der Lastwagen-Situation könnte er sich durch die Bereitstellung von einigen Kurzzeit-Parkplätzen durch die Discounter vorstellen. Ob dies praktikabel ist, bleibe aber dahingestellt.
Verena Müller aus Löffingen findet, dass man mit den bestehenden Einkaufsmöglichkeiten für so ein kleines Städtchen sehr gut bedient sei, zumindest was Lebensmittel und Drogeriewaren angeht. Daher hält sie die geplante Aldi-Ansiedlung nicht für nötig. Dass die kleinen Läden unter Aldi leiden könnten, glaubt sie nicht, da deren Stammkunden dort auch weiterhin einkaufen würden. Sie selbst geht zum Discounter am liebsten vor der Arbeit, der auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle im Tatzmania liegt und schon sehr früh geöffnet hat. Sie kaufe aber auch im Bioladen, beim örtlichen Metzger und bei den Direktvermarktern ein. Bei manchen stelle sich eben auch die Frage, wo man sich das Einkaufen leisten kann.

Kathrin Kramer, Ortsvorsteherin in Unadingen, ist grundsätzlich dafür, kleine Geschäfte vor Ort zu unterstützen. Ein Laden im Ort sei doch nicht zuletzt für Kinder und Senioren Gold wert. Und auch sie selbst zahle lieber ein paar Cent mehr und spare so Zeit. Außerdem könne sie das Auto stehen lassen, was sie sehr genieße. Die größte Konkurrenz bekommen ihrer Meinung nach weniger die kleineren Geschäfte, sondern vielmehr der Lidl, und der könne damit umgehen.

Günter Scherer aus Bachheim findet die Aldi-Ansiedlung in Ordnung, so könnten sich Aldi-Kunden doch einige Kilometer Fahrerei nach Hüfingen oder Neustadt sparen. Auch kann er sich Vorteile in Form höherer Kundenfrequenz im Drogeriemarkt vorstellen. Der Einfluss der Gemeinde bei der Ansiedlung bestimmter Märkte auf Privatgrundstücken sei sehr gering. Insofern müsse man das Beste aus der Situation machen.
Ortsvorsteherin Annette Hilpert aus Dittishausen hätte lieber in Dittishausen einen Dorfladen als einen weiteren Discounter in Löffingen. Sorgen macht sie sich vor allem um die regionalen Bäckereien, da Aldi auch eine Backtheke einrichten wird.
Ein eindeutiges Nein kommt von Dieter Schäfer aus Rötenbach, der keinerlei Notwendigkeit für ein weiteres Lebensmittelangebot in Löffingen sieht. Er befürchtet, dass die kleineren Geschäfte auf der Strecke bleiben, was er angesichts des großen Engagements der Ladenbesitzer bedauern würde. Er selbst kauft schon mal beim Discounter ein, doch als Genossenschaftsmitglied des Rötenbacher Dorfladens sei dieser in erster Linie sein Lebensmittelversorger. Das Angebot an regionalen Waren, deren Kauf den hiesigen Wirtschaftsraum stärke, schätzt der 84-Jährige dabei genauso wie die persönliche Betreuung und die Fußläufigkeit.
Martin Lauble, Ortsvorsteher in Reiselfingen, sieht zwar keine Notwendigkeit für einen weiteren Discounter, er glaubt aber, dass der neue Aldi zu mehr Kundenaufkommen im Drogeriemarkt im Gewerbegebiet führen wird. Viele Konsumenten würden bei Aldi unabhängig vom Standort einkaufen. Insofern könnte die Ansiedlung eine Chance sein, dass sich weniger Kunden auf der stark befahrenen B 31 bewegen und stattdessen für ihren Einkauf in Löffingen bleiben. Dies könnte auch den örtlichen Einzelhandel stärken.

Iris Hasenfratz aus Löffingen von der Werbegemeinschaft der Löffinger Einzelhändler "Kollöff", selbst Bioladenbetreiberin, weiß momentan nicht, wie sie die Lage einschätzen soll, da die Karten durch die Corona-Situation und auch den Tönnies-Fleischskandal komplett neu gemischt werden. Sie hofft, dass die Leute jetzt eher ihre Einkäufe in Löffingen erledigen und nicht nach Neustadt, Donaueschingen oder Bonndorf fahren.
Bürgermeister Tobias Link verweist auf die vorhandenen privaten Eigentumsverhältnisse, die der Stadt wenig Spielraum für die Wahl der Ansiedlungen lassen. Insofern war er froh, dass die Grundstückseigentümerin den von der Bevölkerung gewünschten Drogeriemarkt ins Gewerbegebiet geholt hat. Der Discounter ist für Link ein neutrales Thema. Dass der vor wenigen Wochen eröffnete Nahkauf und auch der Neukauf nennenswerte Auswirkungen verspüren, glaubt er nicht. Dies bestätige auch ein entsprechendes Gutachten der Marktforschungsgesellschaft.

Was die Lastwagenstellplätze betrifft, beschäftige sich das Regierungspräsidium mit der Erweiterung der Plätze an der Shell-Tankstelle, was die Situation zwar entspannen, aber nicht lösen würde. Beim Aldi selbst werde es keine Parkmöglichkeit für Lastwagen geben. Mit gewaltigen Gewerbesteuereinnahmen rechnet Link nicht, da diese entsprechend der Lohnsumme im Verhältnis zum Lohnaufkommen der Gemeinde auf die Unternehmensstandorte aufgeteilt werden. Da sei nicht sehr viel zu erwarten.

Auch etliche Löffinger Facebook-Nutzer kommentieren die Aldiansiedlung lebhaft. Deren Kommentare fallen vorwiegend erwartungsfroh aus.