Schule

Diskussion in Lörrach: Wie funktioniert gelungene Inklusion?

Ansgar Taschinski

Von Ansgar Taschinski

Fr, 17. Mai 2019 um 09:59 Uhr

Lörrach

Erst lief in der bundesweiten Aktion der Film "Die Kinder der Utopie" in Lörrach. Dann diskutierten Vertreter von Schulen und Eltern am Mittwoch im Dreiländermuseum darüber, wie Inklusion gelingen könne.

Der Film über eine Inklusionsklasse zeigt Auswirkungen von Inklusion aufs Leben der heute jungen Erwachsenen. Unter der Leitung von Daniel Dröschel ging es auch um die Ängste, die mit der Inklusion verbunden sind. Für Eva Skrypnik, Schulleiterin der Max-Metzger-Grundschule Schopfheim und Vorstandsmitglied des Personalrats der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Lörrach, sagte, Inklusion scheitere an mangelnder Unterstützung, insbesondere an staatlichen Schulen. So fehlten Sonderschullehrer mit deren Expertise. Dem schloss sich Birgit Hehl, Leiterin der Karl-Rolfus-Schule, an und betonte die elementare Rolle der Einstellung von Schulen und Lehrkräften gegenüber der Inklusion. Es sei wichtig, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen. Zugleich gebe es kein allgemeingültiges Rezept für eine gelungene Inklusion, so Judith Pantli, Leiterin der "Grundschule gemeinsam" (FES).

Inklusion führt zu Akzeptanz

Für Kinder ohne Behinderung sei es nach einer Woche normal, mit Behinderten in einer Klasse zu sein. Das funktioniere auch am Gymnasium, erklärte Stefan Windisch, Schulleiter des Gymnasiums der FES und Vater eines behinderten Sohnes. Die Erfahrung mit dem seit einem Jahr bestehenden Inklusionskonzept am Gymnasium der FES sei sehr gut. Kinder ohne Behinderung lernten Akzeptanz, und das Selbstverständnis der Kinder mit Behinderung verändere sich, da sie zur Gruppe gehörten, wie zahlreiche Eltern berichteten.

Peter Bossert, Vater von Kindern in einer Inklusionsklasse und Leiter des Cafés Glashaus (Lebenshilfe), berichtete von Inklusion im Berufsleben. Die Mitarbeiter mit Behinderungen arbeiteten alle auf dem regulären Arbeitsmarkt und seien fester Bestandteil eines Teams. Dirk Furtwängler, Behindertenbeauftragter der Stadt Lörrach, berichtete von den Schwierigkeiten, die er vor einigen Jahren bei der Arbeitssuche erlebte. Vielfach hätten noch Vorurteile geherrscht. Dabei sei es toll, wenn Inklusion auch nach dem Gymnasium weitergehe, etwa durch eine engere Verzahnung mit der Gewerbeschule.

Gerade in diesem Bereich sei im Landkreis Lörrach etwa mit der berufsvorbereitenden Einrichtung vor mehr als zehn Jahren eine gute Grundlage geschaffen worden, so Hehl. Gewarnt wurde davor, Inklusion nur für Menschen im Rollstuhl oder etwa mit Down-Syndrom zu betrachten. Es gibt auch Behinderte mit mehr Pflegebedarf und stärkeren Einschränkungen.

Mit der Stiftung "Samuel Koch und seine Freunde" setzten sich Marion Koch und ihr Sohn für die Unterstützung von Angehörigen von Menschen mit Behinderung ein, die sich um diese kümmern und unterstützen.