Geburtstagsständchen für die Orgel

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 11. Juni 2019

Lörrach

Sechs Organisten und ein Saxophonist gratulieren jeder auf seine ganze eigene Weise zum Jubiläum des königlichen Instruments.

LÖRRACH. "Zum Geburtstag viel Glück" tönte es von der Empore herab, und die Zuhörer stimmten in das Ständchen ein. Das "Happy Birthday", das Andreas Mölder in ein Bach-Präludium hinein schmuggelte, galt der vor zehn Jahren geweihten Jann-Orgel. Das Jubiläum "Zehn Jahre Jann-Orgel" wurde am Samstag bei der vierten Orgelnacht in der katholischen Kirche St. Bonifatius gebührend gefeiert.

Zehn Jahre neue Orgel
Von Bach bis Jazz reichte das breite Klangspektrum, das die sechs Organisten in jeweils halbstündigen Konzerten auffächerten. Damit setzten sie die Farbigkeit und Klangvielfalt der Orgeljubilarin ins beste Licht. Am 27. September 2009 war das Instrument der Firma Thomas Jann, das nach dem Kirchenbrand neu gebaut wurde, festlich geweiht worden. In den letzten Jahren wurde es klanglich noch einmal überarbeitet, neu intoniert und vom Klang her besser dem Raum angepasst, so dass es nun in neuem Glanz erstrahlt. Ausgestattet mit 43 Registern und drei Manualen, gehört die Jann-Orgel "zu den schönsten Instrumenten in der ganzen Region", wie Kirchenmusiker Andreas Mölder sagt. Auf dieser Orgel mit barockem Hauptwerk und französischem Schwellwerk lassen sich Werke aller Epochen adäquat spielen – was man bei der Orgelnacht hören konnte. Mölder hat versierte Musiker eingeladen, die mit der Jann-Orgel verbunden sind.

Roman Laub
Aus Villingen reiste der dortige Münsterkantor Roman Laub an, der vor zehn Jahren als erster hauptamtlicher Kirchenmusiker die Jann-Orgel in St. Bonifatius gespielt hat. Von 2010 bis 2013 war Laub hier als Kirchenmusiker tätig. "Es war eine schöne Zeit", freute er sich, "viele bekannte Gesichter zu sehen." Laub eröffnete den Orgelmarathon mit Großmeister Johann Sebastian Bach – mit Werken von strenger Kontrapunktik und Polyphonie, in denen er klar und transparent die Stimmen durchzeichnete. Ebenso profund war seine Interpretation von Maurice Duruflés Präludium und Fuge über den Namen Alain mit impressionistischen Klängen und Farben und einem berauschend gesteigerten Schluss.

Birgit Tittel
Als Klangmalerin erwies sich Birgit Tittel, die sich dem Thema "Pastorale" widmete und vorführte, wie facettenreich diese Hirtenmusik aus der Romantik sein kann. Wiegenden Schwung und lieblichen Charakter hatte ihr Spiel in dem Sonatensatz "Pastorale" von Rheinberger. Effektvoll und bildhaft-anschaulich malte die Organistin in der "Scène pastorale" des Franzosen Lefébure-Wély eine ländliche Genreszene mit Gewitter, Donner und Blitz aus: ein pittoreskes Landschaftsgemälde in Tönen. Reizvoll und farbig im atmosphärischen Zauber klangen ihre Darstellungen der "Petite Pastorale" von Dubois und der sehnsuchtsvollen Melodie "Cantilène Pastorale" von Guilmant.

Willi Tittel
Das Thema Choral nahm sich Willi Tittel vor. Passend zu Pfingsten wählte er Bachs Orgelchoral "Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist", das erste Stück, das vor zehn Jahren auf der Jann-Orgel erklungen ist. Den prächtigen Bach-Chorälen stellte Tittel französische Orgelsinfonik gegenüber. Den Choral Nr. 2 von César Franck gestaltete er sehr erhaben, kraftvoll und mächtig aufbrandend im Klang. Sehr feinsinnig spielte er das Adagio aus Widors fünfter Sinfonie.
Heinzpeter Schmitz und Ralf Geisler
Aufgelockert wurde die Orgelnacht durch ein Jazz-Intermezzo von Heinzpeter Schmitz (Orgel) und Ralf Geisler (Saxophon). Das Duo zog die vielen Zuhörer in Bann mit Bearbeitungen von Klavierwerken von Erik Satie. Die meditativen Stücke entwickelten im weichen Saxophonsound von Geisler und dem einfühlsamen Orgelspiel von Schmitz eine suggestive Klangmagie. Geschmeidig im Saxophonklang, rhythmisch entspannt und mit swingendem Drive an der Orgel brillierten die Musiker in Jazzstücken von Benny Golson und Duke Jordan.

Dieter Lämmlin
Mit eigenen Kompositionen bereicherte Dieter Lämmlin die illustre Orgelparade. Er spielte drei Stücken aus der Reihe "Perpetuum", in denen er sich auf philosophische Texte aus dem Alten Testament in Verbindung mit Kunstwerken von Jean Tinguely bezieht. In sich horchend, fast wie Minimal Music klang "Alles hat seine Stunde". Eindringlich verdichtet wirkte das Stück "Nichts bleibt...", filigran, schwebend tönte "Alle Dinge sind rastlos...". Die in Klänge umgesetzte Bewegung der Tinguely-Maschinen und die kontemplative Wirkung dieser Orgelklänge in dem Kirchenraum waren ein nachhaltiges Hörerlebnis.

Andreas Mölder
Als Letzter setzte sich Andreas Mölder an den Spieltisch und gratulierte der Orgel mit einem unterhaltsamen Potpourri verspielter Stücke aus Frankreich, England und Italien. Leichthändig, voller Esprit und Humor legte Mölder diese reizenden Preziosen wie eine beschwingte Scherzo-Toccatina von Gordon Balch Nevin oder die zitatenreiche Hornpipe humoresque von Noel Rawsthorne hin. Zu diesem heiteren Kehraus mit Bachs "Geburtstagspräludium" und der Widor-Toccata als vital-energischem Rausschmeißer hatte Mölder die Zuhörer, die bis zuletzt durchgehalten hatten, auf die Orgelempore eingeladen. Dort durften sie einen Blick ins Innere der Orgel werfen und das Mitternachtsfinale mit Mölder, Lämmlin, Schmitz und Geisler hautnah miterlebten. Es war eine tolle Con Boni-Orgelnacht, bei der die Besucher in lockerer Konzertatmosphäre vier Stunden vielfarbige Musik und ein vom Gemeindeteam aufgetischtes leckeres Buffet genießen konnten.