Klimaschutz

In Lörrach trifft sich am Wochenende das internationale Jugendparlament am Oberrhein

Nina Witwicki

Von Nina Witwicki

Sa, 09. November 2019 um 08:00 Uhr

Lörrach

Vor 20 Jahren gründete der ehemalige Europaabgeordnete Dietrich Elchlepp das Jugendparlament. Mit 81 Jahren sitzt er auch heute noch am Verhandlungstisch.

Ein bisschen Europa liegt in der Luft. Seit gestern, Freitag, bis zum heutigen Samstag tagen rund 50 Jugendliche aus Deutschland und Frankreich im Rahmen der Konferenz des Jugendparlaments am Oberrhein (JPO) in der Jugendherberge in Lörrach. Das Thema der diesjährigen Konferenz: Ohne Klimaschutz keine Zukunft. Nina Witwicki traf sich vorab mit dem Gründer des JPO, dem 81-Jährigen ehemaligen Europaabgeordneten Dietrich Elchlepp.

BZ: Was ist das Jugendparlament am Oberrhein (JPO) und was genau tut es?

Elchlepp: Gemeinsam mit Schülern und Studenten aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz habe ich das Jugendparlament am Oberrhein 1999 gegründet. Ich schied damals als Abgeordneter aus dem Europaparlament aus. Wir kamen auf die Idee, weil die Wahlbeteiligung der Erstwähler bei der Europawahl 1999 bei erschreckenden 24 Prozent lag. Da musste etwas getan werden. Wir diskutieren gemeinsam mit Jugendlichen einmal im Jahr bei einer Konferenz Themen, die sie bewegen. Beispielsweise hatten wir schon 2007 das Thema Klimawandel und haben uns die Frage gestellt, ob dem Rhein bald das Wasser ausgeht.

"Wir wollen mit dieser Konferenz auch gegen rechte Politik vorgehen."

BZ: Die Jugendlichen haben sich in diesem Jahr erneut für das Thema Klimaschutz entschieden. Was werden sie diskutieren?

Elchlepp: Wir treten mit ihnen in den Dialog und ermutigen sie, etwas für das Klima in ihrer Stadt zu tun, mit anderen Jugendlichen und Kommunalpolitikern zu sprechen, zu handeln. Sie sollen ihre Schulen ansprechen, Projekte entwickeln und Freiwilligen-Dienste machen. Aber auch die Politik verpflichten, denn beim Klimaschutz ist nicht nur staatliches Handeln gefragt, sondern auch die Zivilgesellschaft. Klimaschutz sollte ein Schulfach werden – das wird gerade in Italien besprochen. Wir wollen mit dieser Konferenz auch gegen rechte Politik vorgehen, die den menschgemachten Klimawandel leugnet. Wir vermitteln den Jugendlichen, was Wissenschaftler sagen und dass, wenn wir das Klima nicht ernst nehmen, immer mehr Menschen aus ihren Ländern flüchten müssen, Arbeitslosigkeit steigt und Lebensraum unwiederbringlich zerstört wird. Es hilft nicht pessimistisch zu sein, wir müssen uns an die Dinge halten, die bei der UN-Klimakonferenz in Paris besprochen wurden. Das muss weltweit verpflichtend sein. Europa kann sich beim Klimaschutz nicht zurücklehnen, weil es schon viele Veränderungen vorangebracht hat.

BZ: Wie steht es heute um das Europabewusstsein der Jugendlichen?

Elchlepp: Die letzte Europawahl hat gezeigt, dass die Jugendlichen wieder interessiert sind. Das liegt wahrscheinlich an der Klimadebatte und am Brexit, dem EU-Austritt Großbritanniens. Ich bin optimistisch, dass sich das Europabewusstsein wieder verbessert. Aber wir müssen ein langfristiges Bewusstsein schaffen. Europa ist kein Selbstläufer, und wir können es nicht für selbstverständlich erachten.

BZ: In Lörrach gibt es derzeit kein regionales Jugendparlament. Was raten Sie den Jugendlichen?

Elchlepp: Die Gemeinde und die Schulen müssen aktiv werden. Ich wünsche mir auch von den Schulen mehr Beteiligung für das JPO, schließlich vermitteln wir Wissen. Zudem sollten Politiker mehr in den Unterricht gehen und die derzeitige Politikferne aufbrechen. Sie können bei Jugendlichen Interesse für verschiedene Themen generieren, am besten so früh wie möglich. Denn in Deutschland beteiligen sich zu Wenige an Politik. Es sind zu Wenige, die die Weichen unserer Politik legen. Wenn Politik breit aufgestellt ist, muss gelernt werden, wie man Kompromisse eingeht. Kompromisse sind ein wesentlicher Bestandteil der demokratischen Politik.

BZ: Herr Elchlepp, Sie sind mittlerweile 81 Jahre alt und immer noch im Vorstand des JPO tätig. Haben Sie das Gefühl, in Ihrem Alter immer noch genau zu wissen, was Jugendliche beschäftigt?

Elchlepp: Ja, ich glaube ich verstehe mich noch immer gut mit den Jugendlichen. Das liegt vor allem daran, dass ich ihnen zuhöre. Zudem stelle ich meine eigene Meinung, meine Bewertungen durch die Diskussionen mit den jungen Menschen auch mal in Frage und wechsele so meine Perspektive. Durch den Kontakt und das Gespräch mit ihnen kann man viel lernen.
Dietrich Elchlepp wurde 1938 in Freiburg geboren und lebt in Denzlingen. Er ist seit den 1960er Jahren Mitglied der SPD, war Abgeordneter im Deutschen Bundestag und Mitglied des Europäischen Parlaments. Elchlepp war von 1973 bis 2004 Mitarbeiter und zuletzt Referatsleiter im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft.