Vieles ändert sich – Hilfe bleibt wichtig

Ansgar Taschinski

Von Ansgar Taschinski

Mi, 03. Juli 2019

Lörrach

Vor 20 Jahren begann die Dieter-Kaltenbach-Stiftung ihre mobile und offene Jugendarbeit / Flexibilität ist entscheidend.

LÖRRACH. Seit 20 Jahren engagiert sich die Dieter-Kaltenbach-Stiftung in ganz Lörrach in der mobilen und offenen Jugendarbeit. Vieles hat sich in der Zeit verändert, geblieben ist das große Engagement für die Jugendlichen. Am Samstag wird dieses Jubiläum mit Musik und Spielangeboten gefeiert.

Mit dem Beginn der mobilen Jugendarbeit sei die Dieter-Kaltenbach-Stiftung 1999 erstmals jenseits der Grenzen des eigenen Geländes aktiv geworden, so Jan Funke, Leiter der Jugendarbeit. Kurz darauf wurde mit der Einrichtung eines Jugendtreffs in Haagen auch der Startschuss für die offene Jugendarbeit gegeben.

Seitdem habe sich einiges verändert. So müsse man heute in der mobilen Jugendarbeit deutlich flexibler sein, so Funke. Früher habe es feste Orte gegeben, an denen man die Jugendlichen getroffen habe, etwa Bushaltestellen. Durch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten wie Smartphones sei es heute schwieriger, die Jugendlichen aufzusuchen. "Es ist ein extrem dynamisches Feld", findet auch Frieder Heinz von der mobilen Jugendarbeit in Weil. Man müsse wissen, was die Jugendlichen beschäftigt, mit den neuesten technologischen Trends mitgehen. Durch die Veränderung der Schullandschaft, etwa die Ganztagsschule, habe sich auch das Ausgehverhalten verändert, sagt Funke. Das habe sich auf die Abendstunden und das Wochenende verlagert.

Verändert habe sich auch die Jugendszene. Die Identifikation über Subkulturen habe nachgelassen. Geringer geworden sei auch die Verbindlichkeit der Jugendlichen, so Heinz. Wenn man Projekte plane, brauche man eine hohe Frustrationstoleranz, wenn nach langen Vorbereitungen und ursprünglichen Zusagen am Ende kaum jemand komme. Erfreulich sei, dass weniger Alkohol und Drogen konsumiert würden, die Gewaltdelikte unter Jugendlichen abnahmen, so Funke.

Unverändert wichtig sei die Bedeutung der Unterstützung. Auch wenn der Ausbildungsmarkt heute besser sei, bräuchten gerade Jugendliche mit schwierigem Hintergrund Hilfe, so Bernd Schandera, Geschäftsführer der Stiftung. Hier engagiere man sich. Man wolle Halt geben und eine Alternative zu Schule, Familie und Jugendamt sein, so Funke. Jugendzentren in Haagen, Hauingen, Brombach und Tumringen leisten das. "Wir sind für die da, die sonst auf die schiefe Bahn geraten würden", so Funke. Dazu reiche es manchmal schon, die Jugendlichen ernst zu nehmen, auf Augenhöhe mit ihnen zu sprechen. Wichtig sei auch, ein neutraler Partner jenseits von politischer oder religiöser Orientierung zu sein.

Das alles wird am Samstag auf dem Stiftungsgelände ab 15.30 Uhr groß gefeiert. Zuvor werden geladenen Gäste aus der Lokalpolitik wie der Weiler Oberbürgermeister Wolfgang Dietz, Lörrachs Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic und Kreis-Sozialdezernentin Elke Zimmermann-Fiscella da sein. Auch ein Vertreter der Landesarbeitsgemeinschaft mobile Jugendarbeit wird kommen. Die Besucher erwartet ein buntes Programm mit Musik lokaler Bands, ein Poetry-Slam, Speedsoccer, eine Slackline, eine Graffiti-Wand und mehr. Von 20 Uhr ist ein DJ in Aktion. Bierbrunnen, Pizza, Stockbrot und Grillwurst sind geboten. Man hoffe, ein paar Jugendliche von früher zu treffen, so Funke. Außerdem kann man erfahren, was nach 20 Jahren Jugendarbeit so zurück bleibt. In einer kleinen Ausstellung gibt es so abgebrochene Billardstäbe, Tischkicker ohne Beine oder durchgelaufene Schuhe zu entdecken.

Termin: 20 Jahre Jugendarbeit der Kaltenbach-Stiftung. Samstag, 6. Juli, 15.30 bis 22 Uhr, Konrad-Adenauer-Straße 22