"Lyrik, lustig, bierernst, politisch"

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Fr, 11. Oktober 2019

Denzlingen

BZ-INTERVIEW mit Cäcilia Bosch und Ansgar Hufnagel, die als Duo "Einfach so" beim heutigen Poetry Slam in Denzlingen dabei sind.

DENZLINGEN. Das Duo "Einfach so" – Cäcilia Bosch und Ansgar Hufnagel – tritt im Wettbewerb um die Krone der Poetry Slammer am heutigen Freitag im Rahmen der Denzlinger Kulturwoche auf. Markus Zimmermann traf sich mit den beiden Wortkünstlern im Vorfeld.

BZ: Was ist der Reiz vom Poetry Slam?

Bosch: Die Idee eines Auftritts, bei dem alles von mir selbst kommt, hat mich fasziniert. Es hat ein ganz anderes kreatives Potenzial, wenn ich eigene und nicht fremde Texte spreche.

Hufnagel: Ich habe Musik und Rap gemacht und auch schon früh Gedichte geschrieben. Die Form des Slams fand ich sehr spannend. Der erste Auftritt war eine Katastrophe, aber man wächst rein.

BZ: Was ist Poetry Slam überhaupt?

Bosch: Es ist ein moderner Dichterwettstreit, bei dem die Poeten und Poetinnen mit eigenen Texten antreten und für ihren Auftritt ein Zeitlimit haben. So bleibt es ein planbarer Event.

Hufnagel: Nicht planbar ist die Vielfalt der Texte, denn diesbezüglich sind keine Grenzen gesetzt. Lyrik, lustig, bierernst, politisch, es geht alles.



BZ: Darf dabei jeder von sich geben, was er will?

Bosch: Nein, sexistische oder rassistische Inhalte haben beim Poetry Slam keinen Platz, denen soll keine Bühne gegeben werden.

Hufnagel: Die Tochter einer AfD-Politikerin, die mit solchen Inhalten auf die Bühne trat, wurde disqualifiziert. So etwas wird dann auch vom Publikum abgestraft.

BZ: Das Publikum entscheidet über das Weiterkommen, bestimmt den Sieger. Ist das gut so?

Bosch: Ganz sicher, denn mit dem ‚wir entscheiden‘ haben die Zuhörer ganz anders das Gefühl, dazuzugehören.

Hufnagel: Es ist schön, dass Laien entscheiden, auch wenn das dann, wenn über die Lautstärke des Applauses gewertet wird, die Slammer, die eine breite Fanbasis haben, bevorteilt. Letztlich ist aber der Wettbewerb eher Nebensache, die Spannung verleiht.

Bosch: Es gibt ja auch nur eher symbolische Preise, keine Geldpreise.

BZ: Als Duo sind Sie eher die Ausnahme, warum treten Sie gemeinsam auf?

Bosch: Wir haben es, als wir auf Tour waren, aus Neugier probiert, wollten wissen, was dabei herauskommt. Eindeutig bietet das gemeinsam auf der Bühne stehen einen Zuwachs an gestalterischen Möglichkeiten.

Hufnagel: Die Synchronizität hat eine tolle Wirkung. Das gemeinsame Auftreten gilt in der Szene als Königsdisziplin des Slammens. Auch wenn es mehr Zeit braucht, um das Programm einzustudieren. Nachteil für die Veranstalter ist, dass das Duo natürlich mehr kostet.

BZ: Wo finden Sie Ihre Themen?

Bosch: Manchmal ist es ein Satz, den wir aufschnappen, es sind Geschichten, die das Leben offeriert. Im Schaffen merken wir dann, ob es funktioniert, oder verwerfen manches auch wieder.

Hufnagel: Mittlerweile machen wir auch Auftragsarbeiten, werden wir gebeten, zu einem bestimmten Thema etwas zu schreiben. Dabei beschreiten wir aber den schmalen Grat zwischen Kreativität und Vorgaben, Vorstellungen der Auftraggeber.

BZ: Wie viel Improvisation ist möglich?

Bosch: Das Programm ist einstudiert, insbesondere zu zweit ist der Handlungsspielraum eng.

Hufnagel: Je mehr der Text sitzt, man mit ihm spielt, umso mehr kann improvisiert werden.



BZ: Sie stehen überwiegend gemeinsam auf der Bühne, sind Sie auch schon gegeneinander angetreten?

Bosch: Ja, wir sind sogar schon einmal im Finale Konkurrenten gewesen.

Hufnagel: Es war spannend, ist jedoch, da es keine direkte Konfrontation ist, auch nicht schwierig.

Poetry Slam – ein moderner Dichterwettstreit am Freitag, 11. Oktober, 19.30 Uhr, moderiert von David Friedrich, im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus.