Mal hart, mal zart

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Mo, 16. September 2019

Müllheim

Alemannischer Mundart-Rock von der Band Luddi begeisterte das Publikum in der Müllheimer Martinskirche.

MÜLLHEIM (fl) Hoch her ging es beim Konzert der Alemannen-Rock-Band Luddi in der Müllheimer Martinskirche. Die fünf Musiker aus dem Schwarzwald begeisterten ihr Publikum mit klassischer, solider Rockmusik und Mundarttexten, die es in sich hatten. Mit zwei Gesangsstimmen und einem Instrumentarium, das einer Big Band zur Ehre gereichen würde, sorgte Luddi für großartige Stimmung.

Die Band, die kürzlich eine große Frankreichtour hinter sich gebracht hat, existiert schon seit 17 Jahren, hat 2014 den begehrten Kleinkunstpreis des Landes Baden-Württemberg bekommen und bewies auch an diesem Konzertabend, dass ihr Alemannen-Rock aus dem Schwarzwald nicht nur musikalisch mitreißend ist, sondern auch hintergründig, kritisch und voller Humor. Wobei es auch schon mal sarkastisch werden kann.

In der Quintettbesetzung mit den Brüdern Christoph und Manuel Dörflinger, Jürgen Schmidt, Thilo Rebmann und Simon Frommherz spielten Luddi sich im Nu in die Herzen des Publikums in der Martinskirche. Zwar war die Veranstaltung nicht ausverkauft, doch die Stimmung war großartig, denn die umtriebigen Fünf verstanden es, ihre Hörer vollkommen in den Bann zu schlagen. Mit Gesang, diversen Blasinstrumente von der Flöte bis zum Euphonium, umfangreichem Schlagzeug, Bass-, Rhythmus- und Sologitarre heizte die Alemannen-Rock-Band den Hörern mächtig ein.

Mit "Hinnedrie, die ganzi Kompanie" legten Luddi praktisch das Motto für den Abend vor und präsentierten gleichzeitig einen mitreißenden Titel von ihrer neuen Live-CD "ReTour de France". "Mir schwätze Alemannisch – worum au nit": Dieser Titel könnte auch der "Nom de Guerre" der Band sein, denn darum geht ihnen schließlich: Die alemannische Mundart auf eine Art und Weise zu präsentieren, die so ziemlich frei ist von sentimentalen Klischees und idyllischer Romantisierung. So ziemlich, denn ganz ohne Liebeslieder geht es auch bei Luddi nicht, selbst wenn die oft einen skurrilen Touch annehmen, wie zum Beispiel "Was gsi isch, isch gsi". Eine schöne Rockballade eigentlich, doch mit drastischem Ende, bei dem ein Furz zur Unzeit eine unheilvolle Rolle spielt – jedenfalls wenn man der wortreichen Einführung durch Sänger und Gitarrist Manuel Dörflinger Glauben schenken wollte. Auch "Die wildi Katz" respektive "Allhatz" beschreibt eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, erzählt sie doch von einem gewissen Frankie, der von seiner Freundin regelmäßig "eini vorn Latz anstatt e Schmatz" kriegt und das auch noch gut findet.

In "Halali" wird nicht die Sau, sondern der Jäger aufs Korn genommen, und das mit bissigem, schwarzem Galgenhumor, bei dem einem das Lachen im Hals stecken bleiben konnte. Doch auch die Poesie kommt bei Luddi nicht zu kurz, was die Musiker mit einer Hommage an Johann Peter Hebel bewiesen. Die musikalische Adaption der bekannten Kalendergeschichte "Unverhofftes Wiedersehen", eine ruhige Ballade mit dem Titel "Schlof jetz wohl", war anrührend dargebracht.

Mal hart, mal zart, so ging es weiter. Der Text des Songs "1973" beschäftigt sich mit der Mutation eines Traumprinzen zu einem alten Sack – Szenen einer Ehe, bei denen man unwillkürlich an "Nanas Lied" von Kurt Weill denken musste: Gott sei Dank geht alles bald vorüber!

Auch das Tabuthema "Tod" geht Luddi schmerzfrei an. "Hallo", sagt der Sensenmann, und dann muss man halt alles stehen- und liegenlassen und mitkommen. Anderer Song, anderes Thema: Was Luddi von Handy- und App-Terror halten, verrät ein heftig intonierter Refrain: "Es isch e G’lump!" Ein Appell an die Toleranz ist das Stück "Mir sin jo alli bloß Mensche". Ganz ums Mitsingen kommen die Hörer nicht herum: Mit "Achthundert Stutz" wird das Liebesleid von Bassist Jürgen "Mad" Schmidt angesprochen, welcher dereinst von einer wunderschönen Frau nach dem alten Motto ausgenommen wurde: Marta, Marta du entschwandest, und mit dir mein Portemonnaie. Durch ihr symbolisch gezeigtes Mitgefühl spendeten die Hörer dem Musiker balsamischen Trost.

Zwei Zugaben zeigten noch einmal das facettenreiche Spektrum von Luddi: das fetzig-rockige "Hauptsach’ gsund" und das schöne alte alemannische Volkslied "Sternli". Brachiales und Fulminantes, Feines und Zartes und alles dazwischen: Das war Luddi. Und der Applaus wollte gar nicht mehr enden.