Maos stolze Enkel

Harald Maass

Von Harald Maass

Mi, 09. Juli 2008

Olympische Spiele

Was ist von der kommunistischen Gesellschaft geblieben? Ein Wanderarbeiter, eine Studentin und ein Manager erzählen aus ihrem Alltag

Eine Stunde dauert die Fahrt, die Shi Yuqian jeden Morgen zur Arbeit zurücklegt. Kurz vor Sonnenaufgang besteigt der 29-Jährige in Sunhe, einer Siedlung mit niedrigen Backsteinhäusern außerhalb der fünften Ringstraße, einen Bus, der ihn in die Pekinger Innenstadt bringt. Über frisch geteerte Stadtautobahnen geht die Fahrt. Vorbei an den neuen Hochhaussiedlungen des Pekinger Bürgertums, den imposanten Glastürmen des Büro- und Geschäftsviertels, glitzernden Kaufhäusern und Factory-Outlets – Zeugen des chinesischen Aufschwungs. Vorbei an Mietshäusern der Mao-Ära, die für Olympia mit roter Farbe frisch gestrichen wurden. Shi Yuqian kennt diese Gebäude nur von außen – oder als Baustellen. Er ist Wanderarbeiter. Mit Zehntausenden anderen Männern aus dem Hinterland baut er Peking zu einer Weltmetropole um.
Auch Zhai Qianqian kam aus der Provinz in die Hauptstadt, sie stammt aus Taiyuan, einer Industriestadt in der Kohleprovinz Shanxi. Doch ihr Leben ist anders: Die 22-Jährige ist Studentin, sie hat gerade ein Austauschjahr in London verbracht, das ihr die Eltern finanzierten. Zhai, schlank und meist mit etwas Make-up im Gesicht, wohnt in der Yangzhou Wasserstadt, einer Villenanlage im Süden Pekings. Das Haus gehört ihrem Onkel.
An diesem Mittag wirkt sie verschlafen, die getönten Locken hängen widerspenstig ins Gesicht. Zhai genießt das Studentenleben. Oft zieht sie mit ihren Freundinnen bis spät in die Nacht durch die Klubs ...

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