Radsport

Marcel Fischer fährt in Mahlberg zum Heimsieg

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Mo, 09. September 2019 um 10:25 Uhr

Radsport

Das Team Belle Stahlbau fährt mit Marcel Fischer erneut zum Heimsieg beim Rundstreckenrennen in Mahlberg, das die Radsportfans bis zum Schluss in Atem hält.

Am Ende einer packenden Jagd triumphierte Marcel Fischer vor dem Franzosen Simon Combes am Stadtbuckel bei der Eble-Brandschutz-Trophy– genau wie im vergangenen Jahr. So feierte das Team Belle Stahlbau, das früher unter dem Namen Racing Students unterwegs war, am Freitagabend den sechsten Triumph im sechsten Anlauf. Es beherrscht seine Heimrennen wie das Team Ineos/Sky die Tour de France.

Als auf Christoph Kindles Handy die Whats-App-Nachricht aufploppte, mit der Jannick Steimle seine Absage für das Radrennen in Mahlberg kundtat, war gerade die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Heimsieg des Teams Belle Stahlbau gestiegen. Ob das nun eine gute oder schlechte Nachricht für den Racing-Students-Macher und die Radsportfreunde der Region war, kommt wohl auf die Perspektive an. Denn der Nachwuchsfahrer des belgischen Decoeninck-Quick-Step-Teams und frühere Racing Student hätte wahrscheinlich für noch mehr Spannung am Stadtbuckel gesorgt. So kam die Aufgabe, den sieggewohnten Belle-Fahrern den erneuten Triumph streitig zu machen, anderen Pedaleuren zu. Und diese gingen ihr zur Freude der Fans mit Wucht und Leidenschaft nach.

Die Fans spülen die Radler mit La Ola den Stadtbuckel hoch

Zum Beispiel Simon Combes. Er hatte alles unternommen, um den Heimsieg zu verhindern, hatte attackiert, sogar versucht, dem Kollegen Fischer auf den letzten Metern mit einem riskanten Manöver den Weg abzuschneiden. Vergebens. Als er hinter dem Zielstrich langsam zu Atem kam, erklärte er zwar "pas content – nicht zufrieden" zu sein, doch dann machte sich nach und nach ein Grinsen auf seinem Gesicht breit. "Das war ein tolles Rennen. Hierher kann man mich immer wieder schicken." Er meinte einerseits den Wettbewerb auf hohem Niveau, aber auch die elektrisierende Atmosphäre mit den Fans, die die Radler am Stadtbuckel mit "La Ola" nach oben spülten.

"Lukas End fährt vorne mit, den würde ich auf jeden Fall auf dem Podium sehen", hatte Alexander Gut, der andere der beiden Racing-Students-Macher, vorher prophezeit. Fünfter wurde der Spitzenfahrer des Teams Heimat, der vom RSV Staubwolke aus Haslach bei Oberkirch kommt, am Ende dann. Was auch daran lag, dass er ziemlich alleine auf sich gestellt war. Denn zwischen ihm und den Teamkollegen klafft eine deutliche Leistungslücke. End, der Zimmermann, habe vor dem Rennen noch gearbeitet, gab Teamsprecher Daniel Mild zu Bedenken.

Der Renchtäler wirkte indes nicht müde, sondern hellwach und belebte die Hatz am Stadtbuckel über 50 Mal 1,2 Kilometer. "Ich bin auf jeden Fall zufrieden. Die Atmosphäre hier ist superklasse. Das ist ein schweres, ehrliches Rennen. Hier gewinnt der stärkste Fahrer und nicht irgendjemand." Dies war erneut Fischer, der auf dem Weg zur Siegerehrung ein ehrliches Bekenntnis abgab: "Letztes Jahr war schwieriger. Damals kannte ich den Franzosen noch nicht. Jetzt wusste ich, dass ich im Sprint schneller bin."

Als entscheidender Vorteil erwies sich auch, dass die Belle-Radler in der entscheidenden Phase, acht Runden vor Schluss, zu zweit in der fünfköpfigen Topgruppe fuhren. Manuel Müller, der Crosser, attackierte, die Konkurrenz sah sich zum Kontern veranlasst, Fischer wartete ab – wenn man bei einem Schnitt von 46 Stundenkilometern von Warten sprechen darf. Am Ende war die Teamtaktik wieder einmal aufgegangen. Daran hatte auch der bienenfleißige Alexander Tarlton vom Hermann Radteam, einer Profi-Equipe der dritten Kategorie, der immer wieder vergebens versucht hatte, den Kollegen am Buckel wegzufahren, nichts ändern können.

So erntete das Heimteam vor prächtiger Kulisse die Früchte seiner Teamarbeit: Beim Eliterennen der Männer ebenso wie bei den Frauen. Über die 36 Kilometer gewann Jasmin Rebmann souverän, Teamkollegin Kerstin Pöhl belegte den vierten Rang. Es passte ins Gesamtbild.