Mehrere Räuber flüchtig

Andreas Rabenstein, Lukas Dubro  / Sebastian Kaiser

Von Andreas Rabenstein, Lukas Dubro (dpa) / Sebastian Kaiser

Sa, 20. Februar 2021

Panorama

Spektakulärer Überfall auf Geldtransporter in Berlin.

. Auffälliger und klarer sichtbar ging es kaum: Mit ihrer leuchtend orangefarbenen Kleidung erinnerten die Räuber an Müllarbeiter. An der bekannten Berliner Einkaufsstraße Ku’damm überfielen sie am Freitagvormittag einen Geldtransporter, bedrohten und verletzten zwei Wachmänner, packten Geldkassetten ein und verschwanden mit einem Fluchtauto. Teile des Überfalls sind auf Videos von Nachbarn gut zu erkennen.

Gegen 10 Uhr war der Alarm bei der Polizei eingegangen. Der Kurfürstendamm war um die Uhrzeit und auch wegen der Pandemie nicht so voll wie sonst. Zeugen erzählten später der Polizei, mindestens vier Männer hätten zwei Geldboten bedroht, die vor einer Volksbank an der Ecke Bleibtreustraße Geldkassetten aus ihrem Transporter luden. Ein Polizeisprecher sagt, die bewaffneten Räuber hätten die Geldboten mit Reizgas besprüht. Mindestens einer der Täter hatte eine Pistole. Beide Geldboten wurden verletzt und später ins Krankenhaus gebracht. Schüsse fielen offenbar nicht.

Bei dem Geldtransporter handelt es sich den Bildern vom Tatort zufolge um ein Fahrzeug der Ziemann-Gruppe. Das in Schallstadt ansässige Unternehmen unterhält eine Niederlassung in Berlin. Es war am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

In einem 22-sekündigen Video, das aus einem Fenster eines Hauses am Tatort aufgenommen wurde, sind die vier Männer zu sehen. Die Polizei stuft das Video als authentisch ein. Köpfe und Gesichter haben die Täter mit Stoffmasken oder Mützen verhüllt. Sie tragen orangefarbene Jacken. Hektisch packen sie größere Gegenstände – vermutlich die Geldkassetten – aus der offenen Seitentür eines blaugrauen Transporters in einen weißen Sack. Auf dem Boden liegt ein anders gekleideter Mann. Den vollen Sack zerren die Männer zum Straßenrand. Dann bricht das Video ab. Ein zweites Video, von der Bild-Zeitung veröffentlicht, setzt Sekunden später ein. Die Männer packen den weißen Sack mit Mühe in den Kofferraum, steigen ein und fahren ab.

Eine Frau erzählt später Reportern am Tatort, dass sie im Auto vorbeigefahren sei und den Überfall beobachtet habe. Es seien vier Täter gewesen. "Auf einmal hat der Herr da zwei Pistolen auf uns gerichtet", berichtet sie. Zwei Komplizen hätten "Säcke mit Geld transportiert" und in einen Wagen geladen. Dessen Kofferraum habe sich nicht ganz schließen lassen. "Es war ein großer Schock, ich hatte totale Angst. Der Fahrer von uns wollte die anfahren und ich habe nur geschrien, fahr bitte weiter."

Von der Polizei heißt es, die Täter seien mit mehreren Geldkassetten geflüchtet. Die Höhe der Beute sei unbekannt. Später wird ein brennender Audi hinter einem Supermarkt entdeckt. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um den Fluchtwagen handelt.

In Berlin häufen sich Überfälle dieser Art. Möglicherweise nutzen Kriminelle die in Corona-Zeiten leeren Straßen, auf denen man leichter fliehen kann.