Mein Vater, mein Kidnapper

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Sa, 18. August 2012

Südwest

Wenn eine Deutsche und ein Franzose um ihr Kind streiten, zeigt sich Europas Justiz desinteressiert und überfordert: die Geschichte der kleinen Lea.

Jedes Zimmer der Wohnung hat sie in einer anderen Farbe gestrichen. Kühles Blau, sonniges Gelb. Und ein Rosa, wie kleine Mädchen es lieben. Ein Stapel Kinderbilder liegt auf dem Bett neben halbleeren Kartons. "Zuerst habe ich versucht, die Sachen wegzupacken", sagt Britta Schlötcke, "aber ich habe es einfach nicht geschafft." Leas Kinderlachen ist aus dem Leben der Mutter verschwunden. Zuletzt hat sie die Tochter Ende Mai gesehen – hinter vergitterten Fenstern einer sozialen Einrichtung in Straßburg. Zweimal im Monat darf sie Lea treffen. Dann verlebt die 41-Jährige zwei Stunden mit der Sechsjährigen in einem fremden Raum, bringt die Spielsachen von früher mit, schließt Lea in die Arme, macht Fotos von ihrem Lachen und zehrt davon, wenn sie wieder zurück in Emmendingen ist.

Lea hat ihr Kinderzimmer zuletzt vor mehr als eineinhalb Jahren gesehen. Zwei Tage vor Heiligabend 2010 hat der Vater mit maskierten Helfern sie vor dem Kindergarten in Emmendingen entführt, über die Grenze gebracht, versteckt – und dann von einem Straßburger Gericht das bekommen, was er wollte. Claude Guerrier* teilt zwar mit Leas Mutter das Sorgerecht. Weil das Straßburger Familiengericht Leas Aufenthaltsort aber beim Vater festgelegt hat, schrumpft das Recht der Mutter auf Besuche. Britta darf ihre Tochter auch nicht in den Ferien mit nach Hause nehmen. Das Gericht fürchtet, sie könne Lea nicht mehr zurückbringen.

Britta Schlötcke, 1971 in Hamburg geboren, hat in den 90er Jahren Medizin studiert. Den Vater ihrer ...

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