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Sind Rabenmütter wirklich schlechte Mütter?

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Sa, 11. Mai 2019 um 19:57 Uhr

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Volksmund kennt die Metapher der "Rabenmutter". Heute werden damit Mütter tituliert, die berufstätig sind und ihre Kinder früh in Betreuung geben. Doch sind Rabenmütter wirklich schlechte Mütter?

Hilflos sitzt das Rabenjunge am Boden und bettelt mit herzerweichenden Schreien um Fressen, die Mutter ist weit und breit nicht zu sehen. Solche Beobachtungen müssen es gewesen sein, die den Volksmund zu der Metapher "Rabenmutter" inspiriert haben. Noch heute werden damit Mütter tituliert, die berufstätig sind und ihre Kinder früh in Betreuung geben. Doch wie so viele Tiermetaphern ist auch diese falsch. "Das sind ja nicht nur ausgesprochen intelligente Vögel, sondern sie sind auch sehr sozial", sagt Gernot Segelbacher, Biologe an der Uni Freiburg.

"Es gibt eine Reihe von Studien, die interessantes Verhalten in dieser Vogelgruppe gefunden hat, darunter auch gegenseitige Kooperation." Tatsächlich verlassen einige Rabenjunge das Nest bereits – freiwillig! – bevor sie fliegen können. Das Junge am Boden wird von der Mutter so lange mit Nahrung versorgt und vor Feinden beschützt, bis es richtig fliegen kann. "Der Begriff Rabeneltern würde – direkt übertragen – bedeuten, dass sich Eltern intensiv um den Nachwuchs kümmern", sagt Segelbacher. Ein Kompliment also.
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