Stilfrage: Seien Sie großzügig

Elisabeth Bonneau

Von Elisabeth Bonneau

Sa, 15. Februar 2020

Stilfrage

Ich kann nicht gut kochen und trinke keinen Alkohol. Mein Mann und ich nehmen schon seit Jahren keine Einladungen an, weil wir uns nicht revanchieren können. Bekannte ins Restaurant einladen finden wir übertrieben. Unser Freundeskreis schrumpft. Wie können wir das aufhalten?

"Willst du eingeladen werden, lade dir Gäste ein", sagt der Volksmund. Entsprechend ist es nur logisch, dass Sie, wenn Sie niemanden einladen, immer seltener an fremde Tische gebeten werden.
Das Prinzip des Revanchierens ist ja in Deutschland recht lebendig, Franzosen und Briten amüsieren sich köstlich darüber. Die laden sogar gern Gäste in Restaurants ein, koste es, was es wolle. Ob sie selbst kochen können oder nicht.

Diese Lösung ziehen Sie nun aber gerade nicht in Betracht. Schade, denn diese großzügige Geste käme auch bei Ihren Freunden sicher gut an. Wollen oder können Sie nicht ganz so tief ins Portemonnaie greifen, könnten Sie für ein Essen zu Hause einen Partyservice engagieren oder zumindest im Feinkostladen Salate, Aufschnitt und Käse – was Ihnen selbst schmeckt – kaufen. Sie können Alkohol anbieten, ohne selbst welchen zu trinken, doch es gibt sogar feine Alternativen dazu.
Wobei es natürlich bedauerlich ist, wenn in einer Freundschaft gerechnet und gegengerechnet wird. Doch beim Geld hört sie, auch das sagt der Volksmund, bekanntlich auf. Vielleicht geht es in Ihrem Bekanntenkreis aber gar nicht um Heller und Pfennig.

Prüfen Sie einmal: Sind Sie selbst überhaupt gute Gäste? Zeigen Sie Ihren Freunden, wie Sie deren Verwöhnprogramm genießen? Ohnehin können Sie ohne Not ausbleibende Gegeneinladungen wettmachen: durch großzügige Mitbringsel zu den Einladungen, durch nicht an Anlässe gebundene Grüße und Präsente, durch seelische Unterstützung und praktische Hilfsdienste. Dann dürfen Sie sich über ein "Vergelt’s Gott" – und bestimmt auch weitere Einladungen – freuen.
Die Autorin ist Kommunikationstrainerin
und lebt in Freiburg.