UNTERM STRICH: Doch, das braucht man!

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Do, 19. Dezember 2019

Kolumnen (Sonstige)

Küchenhelfer sind optimale Weihnachtsgeschenke / Von Ronny Gert Bürckholdt.

Noch kein Weihnachtsgeschenk? Küchengeräte gehen immer, sofern solche Präsente nicht als Rückfall ins voremanzipatorische Zeitalter gedeutet werden. Ob Messer aus Japan, gusseiserne Bräter oder Siebträger-Espressomaschinen aus Italien – die Küche und ihr Interieur sind längst Statussymbol und Kochen das wochenendliche Genießerhobby wochentags gestresster Convenience-Konsumenten.

Weil in der modernen Konsumgesellschaft grundlegende Bedürfnisse weithin befriedigt sind, braucht's neue. Daher schält man Äpfel nicht länger mit dem Messer, sondern mit einem speziellen Schraubstock. Es gibt Dinge, deren einziger Zweck das Schälen von Kiwis ist. Für jede Zutat gibt es ein eigenes Gerät. Liegt es daran, dass die immer geräumigeren Stauräume gefüllt werden müssen?

Haben Sie etwa noch keinen Paprikaschäler mit Zackenschliff (2 bis 20 Euro)? In Haushaltsblogs im Internet steht, die Paprikaunverträglichkeit belaste immer mehr Menschen, und das Schälen der Paprika könne deren Leid lindern. Wer sagt, man bräuchte keinen Paprikaschäler, wenn man für Gäste kocht, deren Unverträglichkeiten man noch nicht in Gänze kennt, ist demnach ein Unmensch!

Trendy sind auch Multifunktionsgeräte, die nicht-naheliegende Anwendungen kombinieren. Für um die 80 Euro gibt es eine 3-in-1-Hebelpresse, mit der sich Birnen achteln, Orangen in Saft verwandeln und Pommes herstellen lassen. Das Ding ist 80 Zentimeter hoch und macht auf den ersten Blick Eindruck, da es in kaum einen Schrank passt. Mit dem schnittfesten Küchenhandschuh (13 Euro) kann man drauflosschnippeln und gleichzeitig aus der offenen Küche heraus gefahrlos fernsehen. Einen eigenen Konsumkosmos stellen Hilfsmittel dar, mit denen sich rohe oder gekochte Eier aufschlagen, schälen, trennen lassen. Viele Zeitgenossen finden es eben ekelig, das mit der bloßen Hand zu machen.

Seien wir dankbar dafür. Sonst wüsste man gar nicht, was man Leuten schenkt, die schon alles haben, was sie brauchen.