Glosse

Sollten Gemeinden nachts das Licht abschalten?

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Do, 14. Januar 2021 um 22:19 Uhr

Breitnau

In Breitnau wird seit Mitte Dezember im Ortskern die Straßenbeleuchtung ausgeknipst. Weniger Lichtverschmutzung, mehr Dunkelheit. Ist Breitnau ein Vorbild für andere Gemeinden?

Wer im fernen südlichen Neuseeland des Nachts das Observatorium auf dem Mount John besuchen möchte, sollte ein waches Auge mitbringen. Das gilt auch für die Busfahrer, die einen dorthin befördern. Einige hundert Meter vor dem Gipfel müssen sie die Scheinwerfer ihrer Fahrzeuge ausknipsen. Und als Besucher bekommt man nur ein winziges Paneel mit einem roten LED-Lämpchen – mehr Licht darf nicht sein. Weshalb? Damit die einsame Region möglichst finster bleibt und den Sternguckern einen unverschandelten Blick ins All erlaubt.

Lichtverschmutzung ist dort ein Fremdwort. Von solchen Verhältnissen kann man in Europa nur träumen. Breitnau vielleicht ausgenommen. Dort wird, wie wir wissen, seit Mitte Dezember im Ortskern die Straßenbeleuchtung ausgeknipst – von 20.30 bis 5.30 Uhr. Allerdings nicht, weil man dann den winterlichen Sternenhimmel besser sehen kann. Sondern weil die Menschen draußen um diese Zeit eh’ nichts mehr zu suchen haben – Stichwort: Ausgangsbeschränkung.

Nun aber wird diskutiert. Ob die Leute, die trotzdem raus müssen, nicht mehr gefährdet seien. Ob die geringen Einsparungen ein solches Risiko rechtfertigten. Und ob der Versicherungsschutz dann nicht auch unterbelichtet sei. Von paradiesischen Bedingungen für Langfinger ganz abgesehen. Wobei hier gleich eingewendet werden darf: Von einer erhöhten Einbruchsrate in der Gegend um den Mount John und den Lake Tekapo ist nichts bekannt. Freilich – große Spiegelteleskope lassen sich im Dunkeln nicht so einfach wegschaffen, zumal, wenn die Autoscheinwerfer ausgeschaltet sein müssen. Ob das als Argument ausreicht, um die Gemüter zu beruhigen?

Am Sinn der Weihnachtsbeleuchtung in nächtlich verwaisten Innenstädten wurden ja auch Zweifel angemeldet. Viele Gemeinden ließen sie trotzdem leuchten – ein bisschen Fest muss sein. Ein bisschen Licht auch. Erfahrene Gassi-Geher vertrauen deshalb ihrer Stirnlampe. Ob in Neuseeland, Breitnau oder sonstwo.