UNTERM STRICH: Große Klappe, kleine Arme

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

Di, 14. Januar 2020

Kolumnen (Sonstige)

Was Tyrannosaurus-Teenager umgetrieben haben dürfte / Von Otto Schnekenburger.

Es wäre zu putzig gewesen, um wahr zu sein: Minisaurier, eine Zwergspezies von Tyrannosaurus Rex, liebevoll-überheblich schon "Nanotyrannus" getauft. Also eine Light-Version, ausgerechnet von diesem noch zig Jahrmillionen nach seinem Aussterben so gefürchteten Tier. Forscher hatten das aufgrund von Fossilienfunden aus der Kreidezeit vermutet.

Doch nun wurde diese These nach einem Bericht in der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft von einem Team der Oklahoma State University widerlegt. Fehlende Gefäßbahnen brachten die Wissenschaftler auf die richtige Spur. Sie machten klar, dass es sich bei den Funden lediglich um Jungtiere von T. Rex gehandelt haben dürfte. Also um Teenager-Tyrannos. "Jane" und "Petey", diese Namen wurden den Fundstücken nachträglich gegeben, waren zum Zeitpunkt ihres Todes etwa 13, beziehungsweise 15 Jahre alt und gerade mal halb so groß wie erwachsene Artgenossen.

Nun weiß jeder, dass das ein schwieriges Alter ist, in dem im Hirn quasi ein Totalumbau stattfindet. Neue Fragen tun sich also auf, die aber im Nachhinein nur schwer zu rekonstruieren sind: Waren den pubertierenden Tyrannos ihre Eltern damals auch "nur noch peinlich"? Hatten die T.-Rex-Teenies auch ständig schlechte Laune, und was bedeutete dies für einen gerade seines Wegs trampelnden Triceratops oder einen Edmontosaurier, selbst wenn der heranwachsende Tyrannosaurus – oder gar die von der eigenen Langeweile angenervte Tyranno-Jugend-Gang – schon satt war?

Und wenn schon die Arme der ausgewachsenen Tiere so mickrig waren: Wie lächerlich klein müssen die erst bei den Jungtieren gewesen sein? Und dies in einem Alter, in dem man so verunsichert ist, was das eigene Aussehen betrifft, sich ständig hinterfragt, so viel auf die Außenwahrnehmung gibt. Auch wenn sie schnell und leichtfüßig gewesen sein sollen, wie Fachleute vermuten: Gerne tauschen möchte man mit dem Tyranno-Nachwuchs nicht.