UNTERM STRICH: Gurgeln mit Kölnisch Wasser

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Von höhl

Mi, 25. März 2020

Kolumnen (Sonstige)

Wie man sich in der Türkei vor dem Coronavirus zu schützen versucht / Von Gerd Höhler.

Die türkischen Behörden haben eine Ausgangssperre für Menschen ab 65 Jahren eingeführt. Ob die häusliche Quarantäne auch für Staatschef Recep Tayyip Erdogan (66) gilt, war zunächst unklar. Er wurde zuletzt bei öffentlichen Auftritten von Bodyguards begleitet, die mit Wärmebildkameras Menschen in seiner Umgebung erfassten. So soll verhindert werden, dass der Präsident mit Personen in Kontakt kommt, die Fieber haben und die möglicherweise mit Corona infiziert sind. Er selbst versucht, Zuversicht zu verbreiten: "Kein Virus ist so stark wie die Türkei."

Derweil gibt es in den türkischen Medien allerlei Empfehlungen, wie man das Virus bekämpfen könne: etwa durch regelmäßiges Gurgeln mit Essig oder durch den Verzehr von Kelle Paca, einer aus Lammköpfen und -hufen zubereiteten Suppe. Vielerorts ausverkauft ist Kolonya, das türkische Kölnisch Wasser. Es besteht zu 80 Prozent aus Alkohol und wird mit Zitronenaroma versetzt. In Restaurants, Friseurläden und Überlandbussen wird Kolonya traditionell zum Händewaschen gereicht. "Unsere Ladenverkäufe haben sich verfünffacht, der Absatz im Internet sogar versechsfacht", berichtet Engin Tuncer, Chef des Kolonya-Herstellers.

Hinsichtlich der Anwendung des Desinfektionsmittels scheint es aber Missverständnisse zu geben. Manche Türken trinken es. Allein in Istanbul wurden vergangene Woche 20 Todesfälle durch Vergiftung mit Kölnisch Wasser gemeldet.

Abdurrahman Dilipak, ein prominenter Kolumnist der islamistischen Zeitung Yeni Akit, propagiert dagegen Cannabis als Allheilmittel. Andere Kommentatoren vertreten die Ansicht, die Türken seien genetisch gegen das Virus gefeit; was die jüngsten Fallzahlen von Infizierten aber nicht zu bestätigen scheinen.

Fatih Erbakan, Vorsitzender der islamistischen Erneuerten Wohlfahrtspartei, vermutet gar eine jüdische Verschwörung hinter Corona. "Wir haben zwar keine harten Beweise, aber hinter der Epidemie könnte sehr wahrscheinlich der Zionismus stecken", erklärte er.