UNTERM STRICH: Werch ein Illtum

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Do, 14. März 2019

Kolumnen (Sonstige)

Warum mancher sich schwer tut, rechts und links auseinanderzuhalten / Von Stefan Hupka.

Dass die rechte Seite die richtige sei, die linke dagegen irgendwie falsch, mindestens verdächtig – dem alten Aberglauben ist auch in modernen Zeiten schwer beizukommen. Zwar legen selbst Staatenlenker, die behaupten, ihr Herz auf dem rechten Fleck zu haben, wenn die Hymne kommt – Hand aufs Herz – die rechte Hand auf die linke Brusthälfte. Anatomisch ist das korrekt. Dennoch hat die Mehrheit der Rechtshänder – und Rechts füßer (wie Fußballkollegen ergänzen) – es bis heute geschafft, dass man rechts mit recht und gut, links dagegen mit linkisch, gemein oder andersherum assoziiert. Das ist nicht recht! Es bringt sogar Politiker in Schwierigkeiten. Aktuell etwa Sahra Wagenknecht, die bei ihrem Slalom zwischen Rechts und Links zuletzt ein wenig die Orientierung zu verlieren schien und daraus jetzt Konsequenzen zieht. Oder Gerhard Schröder, der, wie seine Genossen spotteten, die Gewohnheit hatte, links zu blinken und rechts abzubiegen.

Der Wiener Poet Ernst Jandl hat sich schon 1966 in seinem Gedicht "lichtung" abschließend über das Thema lustig gemacht: "manche meinen / lechts und rinks / kann man nicht velwechsern / werch ein illtum". Dass etwa die Bliten, pardon, Briten, nie richtig zu Europa gehören wollten, ergibt sich rückblickend schon daraus, dass sie darauf beharrten, weiter auf der anderen Seite Auto zu fahren – wie Geisterfahrer es eben tun. Nun aber klärt die Zeitschrift "Eltern", ohne die in der Kinderaufzucht heute praktisch nichts läuft, auf, warum Kinder rechts und links so schwer auseinanderhalten können: weil rechts und links – anders als oben und unten oder vorn und hinten – einander zu ähnlich seien. Das Gehirn, zitiert das Blatt die Forschung, "streikt, wenn es gleichzeitig zwei sehr ähnliche Dinge lernen soll". Um es auszutricksen, solle man nur eine Richtung trainieren. Die Frage ist, welche? Obacht, frühkindliche Prägung! Vielleicht tut es auch eine Eselsbrücke. "Rechts ist da, wo der Daumen links ist", hat Tante Gerda immer gesagt. Was soll man sagen – sie hatte recht.