Frankreich

Warum ein Geschäftsmann eine 57-Millionen-Euro-Villa an der Côte d’Azur abreißen muss

Knut Krohn

Von Knut Krohn

Fr, 29. März 2019 um 14:39 Uhr

Panorama

Vor 20 Jahren hat Patrick Diter ein verfallenes Bauernhaus in einem Naturschutzgebiet bei Grasse gekauft und nach und nach ausgebaut. Sein Problem: Er tat dies ohne Bewilligung.

Vor knapp 20 Jahren hat der französische Geschäftsmann Patrick Diter ein verfallenes 200-Quadratmeter-Bauernhaus im Naturschutzgebiet in den Hügeln oberhalb der Côte d’Azur im südfranzösischen Grasse gekauft. Nach und nach begann er das Anwesen auszubauen – ohne Genehmigung.

Inzwischen befindet sich dort ein Schloss im Toskana-Stil mit 3000 Quadratmetern Grundfläche, unzähligen Gästezimmern, einem großen Swimmingpool und einem Hubschrauberlandeplatz. Wer das Anwesen nicht mit dem Helikopter anfliegen kann, nimmt eine breite Teerstraße, quer durch das Naturschutzgebiet. Sie wurde ebenfalls ohne Erlaubnis angelegt. Wert der Immobilie heute: 57 Millionen Euro. Den Nachbarn blieben die Bautätigkeiten nicht verborgen. Sie reichten schon vor Jahren Klage ein. Die Anwohner stören sich vor allem auch an dem Trubel, der in ihrer eher beschaulichen Ecke der Region Einzug hielt. Denn Patrick Diter vermietet sein Anwesen für allerlei Events. Es wurde schließlich zur beliebten Location für High-Society-Hochzeiten. Auch fielen immer wieder Filmteams ein. Die Mietkosten für das Anwesen betragen 50 000 Euro pro Tag.

Das alles hat nun ein Ende. Die Richter in Aix-en-Provence urteilten, dass der Komplex innerhalb von 18 Monaten dem Erdboden gleichgemacht werden müsse. Stehen bleiben könne lediglich das ursprüngliche Gebäude. Bei den Arbeiten seien nicht nur sämtliche Bau- und Sicherheitsvorschriften, sondern auch alle Umweltauflagen missachtet worden. Der Besitzer habe wohl geglaubt, alles mit Geld regeln zu können. Zusätzlich müsse er eine Strafe von 450 000 Euro bezahlen. Sollte die Frist von 18 Monaten nicht eingehalten werden, erhöhe sich die Summe jeden Tag um 450 Euro.

Patrick Diter selbst zeigt sich reumütig. Er habe viele Fehler gemacht, bekennt der Geschäftsmann und gelobt Besserung. Für ihn hat der Richterspruch einen Vorteil. Die Haftstrafe von drei Monaten, die in erster Instanz gegen ihn verhängt worden ist, wurde aufgehoben.