Bayern München und Arsène Wenger

STANDPUNKT: Ein Eigentor vor der Vollzugsmeldung

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

So, 10. November 2019

Kommentare

Biedert sich ein über 70-Jähriger, der sich immerhin als der erfolgreichste und der bisher am längsten amtierende Trainer in der Geschichte des traditionsreichen FC Arsenal bezeichnen kann, einfach mal so an, weil der FC Bayern München einen neuen Trainer sucht? Arsène Wenger habe bei ihm angeläutet, quasi als Initiativ-Bewerbung: So stellte es Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge in dieser Woche dar, verbunden mit dem Hinweis, dass der Elsässer "keine Option" bei der Nachfolgersuche für Niko Kovac sei.

Verwunderlich klang das damals schon, was die Glaubwürdigkeit des Dementis unterstreicht, das jetzt von Wenger kam. Rummenigge habe ihn angerufen, er habe lediglich aus Höflichkeit zurückgerufen, weil ihn der Bayern-Boss nicht erreicht habe. Karl-Heinz Rummenigge habe ihn daraufhin nach seinem Interesse am Job auf der Trainerbank gefragt, er habe um Bedenkzeit bis nächste Woche gebeten.
Es ist ein Widerspruch, bei dem Karl-Heinz Rummenigge – mal wieder – ein denkbar peinliches Bild abgibt. Und über Rummenigges Motive – die Richtigkeit des Wenger-Dementis vorausgesetzt – kann nun trefflich spekuliert werden. Hat sich in der Zwischenzeit eine große Lösung aufgetan, die erst nach dem Spitzenduell gegen Dortmund gestern Abend (bei Redaktionsschluss nicht beendet) präsentiert werden sollte und die Variante mit Wenger obsolet machte? Oder ist als Zwischenlösung bis Saisonende – als die Arsène Wenger gehandelt wurde – nun doch Hansi Flick auserkoren?

Gerade als Zwischenlösung hätte man sich den im Umgang mit Weltstars erfahrenen und deutschsprachigen Wenger sehr gut vorstellen können. So wie dies Jupp Heynckes mehrfach gelungen ist, wäre dem ehemaligen Spieler vom FC Mulhouse und von Racing Straßburg zuzutrauen, einen in Unruhe geratenen exquisiten Kader wieder zu stabilisieren und zu fokussieren. Das mag auch ein Hansi Flick schaffen, und vielleicht staunt die Öffentlichkeit ja bald über den Coup, der den Münchnern bei der Trainerverpflichtung gelungen ist.

Erst einmal gilt es allerdings zu vermelden, dass der Vollzugsmeldung ein Eigentor vorangegangen ist.