Wahl in Thüringen

Das Wahlverhalten der AfD in Thüringen war eine taktische Meisterleistung

Uli Wurster

Von Uli Wurster (Albbruck)

Fr, 14. Februar 2020

Leserbriefe

Zu: "Der Tabubruch von Erfurt", Beitrag von Katja Bauer (Politik, 6. Februar)
Noch gut kann ich mich an die 80er Jahre erinnern, als die Grünen in Erscheinung getreten sind. Wie haben damals alle Parteien getönt: Nie gehen wir mit solchen Chaoten und Steinewerfern zusammen. Später stellte diese Partei mit Joschka Fischer einen hervorragenden Außenminister. Heute wären wir froh, einen Politiker dieses Formats auf diesem Posten zu haben. Der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg führt sein Amt beispielhaft gut aus. Nicht umsonst ist er der Beliebteste in ganz Deutschland. Dieser Mann als Spitzenkandidat bei der nächsten Bundestagswahl würde meiner Meinung nach mindestens 30 Prozent der Stimmen erhalten. Nach der Wende kamen die Linken. Wieder wurde getönt, mit diesen Kommunisten haben wir nichts am Hut. Eine Zusammenarbeit komme nicht in Frage. Heute biedert sich vor allem die SPD regelrecht an.

Nun zur AfD: Diese Partei wird wohl mindestens 15 Prozent der Stimmen bei der nächsten Bundestagswahl erhalten – trotz innerparteilicher Querelen. Bei einer Wahlbeteiligung von circa 70 Prozent sind dies sechs bis sieben Millionen Wähler. Diese Menschen als Faschisten, Populisten oder Nazis zu bezeichnen, geht nicht. Nach heutigen Umfragen wird sie nach der CDU und den Grünen drittstärkste Kraft in unserem Land. Politiker wie Meuthen, Weidel et cetera kann ich mir gut in einem Ministeramt vorstellen. Wohlgemerkt nicht Höcke und einige andere. Aber Unfähige gibt es in den sogenannten etablierten Parteien auch. Frau von der Leyen (CDU) als Ärztin und siebenfache Mutter passte als Gesundheits- beziehungsweise Familienministerin. Als Verteidigungsministerin war sie ebenso wie Frau Kramp-Karrenbauer (CDU) völlig deplatziert.

Das Wahlverhalten der AfD in Thüringen war in meinen Augen eine taktische Meisterleistung. Sie hat einfach die Naivität von CDU und FDP ausgenutzt und nicht ihren eigenen, sondern den Kandidaten der FDP gewählt. Was ist daran undemokratisch? Uli Wurster, Albbruck