Landtagswahlen

Differenzierte Argumentationskultur ist zu wünschen

Peter Krusche (Bad Krozingen)

Von Peter Krusche (Bad Krozingen)

Di, 10. September 2019

Leserbriefe

Zu: "Eine ernste Warnung", Tagesspiegel von Thomas Fricker (Politik, 2. September) und "Kreuz bei der AfD wegen ihrer politischen Forderungen", Beitrag der Forschungsgruppe Wahlen (Politik, 3. September)

Die Berichterstattung und Analyse zu den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen kann man durch einen weiteren Aspekt ergänzen. In der deutschen Außenpolitik gilt bisher der Grundsatz, dass man mit allen, auch kontroversen und autoritären Regierungen, das diplomatische Gespräch und diplomatische Verhandlungen suchen sollte, um Lösungen für Probleme zu finden. Auch, dass harter politischer Streit und die Androhung von Gewalt nie zu einem befriedigendem Ergebnis führen werden.

In der deutschen Innenpolitik haben unsere Parteien (links wie rechts) diesen Grundsatz der Diplomatie aber leider bisher kaum beherzigt, sondern setzen meist auf Konfrontation und Streit sowie Aus- und Abgrenzung. Dadurch vergibt man jegliche Chance auf einen sachbezogenen Ausgleich und eine Stärkung der moderaten politischen Kräfte auf allen Seiten. Dies ist verwunderlich, wenn man bedenkt, dass durch unser demokratisches und differenziertes Wahlsystem und eine vielfältige deutsche Parteienlandschaft absolute Mehrheiten von Parteien (im Bund wie in den Ländern) kaum noch möglich sind und fast immer Koalitionen geformt werden müssen, um eine Regierung zu bilden.

Es wäre wünschenswert, wenn man die Beschimpfungen und groben politischen Klassifizierungen durch eine differenzierte und sachbezogene Argumentationskultur ersetzen würde. Das politische Leben in Deutschland ist vielfältig, es hat mehr Nuancen und Kompromissmöglichkeiten, als bislang behauptet wird. Nur so kann es zu einer Entradikalisierung des politischen Spektrums kommen. Peter Krusche, Bad Krozingen