Trauer um Affen

In rücksichtsloser Zeit eher ein gutes Zeichen

Saskia Willmann

Von Saskia Willmann (Badenweiler)

Mi, 15. Januar 2020

Leserbriefe

Zu: "Bizarre Trauer ", Kommentar von Michael Saurer (Politik, 4. Januar)


Sehr geehrter Herr Saurer, so ganz Unrecht mögen Sie nicht haben. Dennoch stört mich an Ihren Zeilen so manches. Ich bin nicht nach Krefeld gepilgert, um Kerzen aufzustellen, dennoch ist dieses Unglück ein Synonym für unseren Umgang mit Tieren, die lebenslang zu kommerziellen Zwecken eingesperrt werden. Man verdient so sein Geld, zuweilen ohne Rücksicht auf deren Bedürfnisse. Am Ende, nach jahrelangem Einkerkern in Gefangenschaft, müssen sie also qualvoll verenden, weil es offensichtlich nicht machbar ist, sie vor einem Feuer zu schützen. Tja, wir fliegen auf den Mond, aber das ist nicht machbar?

Es ist der reine Kommerz, ebenso wie die von Ihnen angesprochene Schlachttierindustrie. Ich persönlich konsumiere das nicht mehr. Auch die vielen Menschen, die täglich sterben, weil unsere Politik gänzlich versagt, ist ein Thema, das mich sehr beschäftigt. Leider kann ich nichts dagegen tun. Dennoch verwahre ich mich energisch gegen Ihre Art Pathos.

Die Menschen in Krefeld und sonst wo trauern in der Art und Weise, wie sie das für richtig halten, und ich meine, das ist gut so. Es ist eine Art der Trauer für viele dieser Verbrechen, die tagtäglich passieren. So kanalisiert sich das nun eben in diesem Rahmen. Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass wir noch trauern können, und hat mit "bizarrer Trauer" gar nichts zu tun. In einer Welt, in der gerade nirgendwo Rücksicht auf Mensch oder Tier genommen wird, eher ein positives Zeichen! Saskia Willmann, Badenweiler