Heiliger Martin

Sein karitatives Wirken hat das Christentum maßgeblich geprägt

Peter Galli (Vogtsburg-Oberrotweil)

Von Peter Galli (Vogtsburg-Oberrotweil)

Mi, 02. Dezember 2020

Leserbriefe

Zu: "War er wirklich so heilig?", Zuschrift von Axel Saalbach (Forum, 21. November)

Herr Saalbach ist schlecht beraten, gerade im Fall des heiligen Martin auf Karl-Heinz Deschner zurückzugreifen oder auf Google. Der eine ist auf einseitige, vermeintlich wissenschaftliche Darstellungen ausgelegt, aber in seiner Einseitigkeit unwissenschaftlich. Und Google ist ein reines Faktensammeln. Empfohlen sei ihm zuallererst der Bericht des Sulpicius Severus. Er ist der einzige Biograph des Heiligen, er hat ihn persönlich gekannt und öfter in seinen letzten Lebensjahren besucht.

Ratsam ist die im Buch vorangestellte Einführung durch Joachim Drumm. Er bringt neben der Darstellung vom richtigen Verständnis von Sagen, Legenden und Wunderberichten letzten Endes die theologische Tragweite des heiligen Martin auf den Punkt, wenn er schreibt: "Severus schildert uns den heiligen Martin als einen Menschen, der sein Leben ganz von Jesus Christus her und auf ihn hin gestaltete". Und weiter: "Martin ließ sich nicht nur von der Liebe zu Jesus Christus leiten, sondern dass der Auferstandene selbst in seinem Leben wirksam war." Sein umfangreiches karitatives Wirken für die Armen und Schwachen und vor allem seine Klostergründungen haben das heidnische Christentum der folgenden Jahrhunderte maßgeblich geprägt.

Nicht mehr heidnisches Stammesdenken und Blutrache sollten der Maßstab auf Erden sein, sondern nach und nach galt und gilt es, frei von Besitz, Ansehen und Macht, in Gebet und Arbeit barmherzige Samariterdienste zu leisten. Dass wir im 20. Jahrhundert durch die beiden Weltkriege und insbesondere durch Hitler in barbarisches Menschenopferhandeln brutal zurückgefallen sind, zeigt uns, wie demütig wir uns immer wieder auch an der Martinstradition ausrichten können und sollten. Dass gerade Kinder für die Martinsbräuche so offen sind, ist ein Geschenk für uns. Inmitten der Mantelteilung leuchten nicht nur die bunten Laternen, sondern vor allem die Augen der Kinder. In ihrem Leuchten werden wir erinnert an unsere gemeinsame Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit.

Wenn unbekehrte Querdenker Martinsumzüge zu ihren Zwecken missbrauchen, wird klar: Sie wollen die Botschaft des heiligen Martin nicht verstehen: vom Diener des Kaisers zum Diener Christi zu werden. Es gilt gerade nicht monoton die Freiheitsrechte des einzelnen im Namen von Martin einzufordern, sondern Rücksicht auf andere zu nehmen, vor allem auf die Armen, Einsamen und Schwachen in unserer Gesellschaft, in Europa und weltweit. Peter Galli, Vogtsburg-Oberrotweil