Meisterfeier verschoben

dpa

Von dpa

Mo, 26. April 2021

1. Bundesliga

Der FC Bayern nimmt Mainz 05 auf die leichte Schulter und verliert 1:2 – Flick und Rummenigge vor Trennungsgesprächen.

Nach der unerwarteten Auswärtspleite in Mainz fällt die Meisterparty der Bayern aus. Trainer Hansi Flick ist enttäuscht über die vierte Saisonschlappe. Für ihn stehen in den nächsten Tagen zukunftsweisende Gespräche mit der Club-Führung an.

Die Bayern-Bosse um Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge waren nach dem blutleeren Auftritt des designierten deutschen Meisters in Mainz genauso schnell verschwunden wie die enttäuschten Profis. Kein Jubel, keine Siegerfotos – die eingeplante Titelfeier musste nach dem 1:2 (0:2) beim Tabellenzwölften verschoben werden. "Es ist schade, dass wir nicht den Schritt gehen konnten", sagte Trainer Hansi Flick: "Diese Niederlage muss ich erst einmal verdauen." Zweifel an der 31. Meisterschaft ließ der 56-Jährige trotz des Patzers kurz vor der Ziellinie nicht aufkommen. "Wir brauchen noch einen Sieg. Ich gehe davon aus, dass wir den auch holen", betonte Flick.

In der zweiwöchigen Bundesligapause gilt Flicks Fokus aber nicht nur dem Saisonendspurt. Für den Erfolgstrainer stehen entscheidende Gespräche mit der Bayern-Führung über die von ihm gewünschte vorzeitige Auflösung seines bis Sommer 2023 gültigen Vertrages an. "Wir haben vereinbart, dass wir uns nach dem Spiel in Mainz zusammensetzen", sagte Rummenigge. Bei den Verhandlungen wird es auch um das Thema Geld gehen. "Wenn wir Hansis Wunsch entsprechen sollen, müssen alle Parteien gemeinsam eine Lösung finden, mit der auch der FC Bayern zufrieden ist", so Rummenigge. "Wir sprechen hier immerhin von einem Trainer, der mit uns Historisches erreicht hat und mit dessen Arbeit wir sehr glücklich sind." Vor allem Rummenigge wollte Flick nie verlieren. Die Bayern dürften wie ihr Trainer an einer schnellen Lösung interessiert sein, um ihre eigenen Planungen für die kommende Spielzeit zügig voranzutreiben und wieder Ruhe ins Umfeld zu bekommen. Vor allem Sportdirektor Hasan Salihamidzic war zuletzt zum Zielobjekt des Fanfrusts geworden. Es sei "nicht fair, wie die Öffentlichkeit aktuell mit Hasan umgeht", kritisierte Rummenigge und stellte klar: "Alle Entscheidungen, selbstverständlich auch Transfers und Kaderfragen, treffen wir beim FC Bayern gemeinsam mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat – und der Trainer ist dabei genauso involviert."

Dem DFB käme baldige Klarheit in München entgegen

Zuletzt hatte es zwischen Salihamidzic und Flick heftige Differenzen gegeben. In der Vorwoche hatte Flick dann ohne Rücksprache mit dem Verein seinen Wunsch nach Veränderung öffentlich gemacht. Er gilt als Favorit auf die Nachfolge von Bundestrainer Joachim Löw, der nach der EM im Sommer aufhört. Auch dem DFB käme eine baldige Einigung zwischen Flick und den Bayern sehr gelegen. Vor seinem Abschied, dem ihm der Rekordmeister wohl nicht verwehren wird, will Flick aber noch den fünften Meisterstern klarmachen. Warum dies in Mainz nicht gelang, lag für ihn auf der Hand. "Die Mannschaft hat auf dem Platz von der Intensität nicht so gewirkt, wie wir das kennen. Es hat etwas langsam ausgeschaut", sagte Flick.

Manuel Neuer, der beim ersten Gegentor von Jonathan Burkhart unglücklich aussah und bei Treffer Nummer zwei von Robin Quaison machtlos war, sah es ähnlich. "Gerade was in der ersten Halbzeit passiert ist, war zu wenig von uns", kritisierte der Kapitän. "Die Körpersprache und das Engagement von uns, den Ball haben zu wollen und von hinten herauszuspielen, waren zu wenig."

Wenn es überhaupt etwas Positives gab, war es der Treffer von Robert Lewandowski in der Nachspielzeit. Mit dem 36. Saisontor kam der Weltfußballer dem Bundesligarekord von Gerd Müller (40 Tore) wieder ein kleines Stück näher.