Kretschmann bietet Hilfe nach Brand in Moria an

Jan Dörner und Jan Sellner

Von Jan Dörner & Jan Sellner

Do, 10. September 2020

Ausland

Ministerpräsident sieht Bund in der Pflicht / Auch Städte in Südbaden wollen Flüchtlinge aufnehmen.

Nach einem verheerenden Brand in dem griechischen Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos hat der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann Unterstützung für die Betroffenen angeboten. "Es ist für mich keine Frage, dass Deutschland helfen muss", sagte der Grünen-Politiker der BZ. Auch die Rathauschefs von Freiburg und Lörrach erklärten ihre Bereitschaft, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen.

. "Wie schon in der Vergangenheit ist Baden-Württemberg auch jetzt bereit, im Rahmen eines deutschen Hilfsprogramms Hilfe zu leisten und Verantwortung zu übernehmen." In der Nacht zu Mittwoch hatten mehrere Feuer das überfüllte Lager auf der Insel Lesbos nahezu vollständig zerstört. Die Behörden gehen von Brandstiftung aus. Verletzt wurde nach ersten Angaben niemand. Die bis zu 13 000 Bewohner des eigentlich nur für etwa 2800 Menschen ausgelegten Camps haben nun keine Unterkunft mehr.

Menschenrechtsorganisationen fordern schon lange, das Lager zu räumen und die Bewohner auf die EU-Staaten zu verteilen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bat der griechischen Regierung am Mittwoch die Hilfe der Bundesregierung an. Die Art der Unterstützung blieb jedoch zunächst offen, dies müsse noch mit den Behörden in Griechenland erörtert werden, sagte ein Ministeriumssprecher. Auch andere Bundesländer erklärten sich zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria bereit.

Solche Angebote einzelner Länder lehnte Seehofer bisher jedoch ab. Kretschmann sieht den Bund daher jetzt in der Pflicht, zusätzliche humanitäre Hilfe zu leisten. "Ich würde es deshalb sehr begrüßen, wenn die Bundesregierung jetzt ihr Aufnahmekontingent weiter aufstockt, um möglichst vielen Menschen in den griechischen Flüchtlingslagern zu helfen", sagte der Ministerpräsident. "Gerne wird Baden-Württemberg dann diese Menschen aufnehmen." Zurückhaltender äußerte sich Innenminister Thomas Strobl (CDU), er verwies darauf, dass Baden-Württemberg schon die Aufnahme von 50 Flüchtlingen aus griechischen Lagern zugesagt habe.

Auch Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) appellierte an Seehofer, den notleidenden Flüchtlingen schnell und unbürokratisch zu helfen. Zur Initiative "Sichere Häfen", der mittlerweile 174 deutsche Städte beigetreten sind, gehörte als eine der ersten auch Freiburg; OB Martin Horn (parteilos) zeigte sich "enttäuscht, dass wir bislang kaum etwas bewegen konnten". Wie Stuttgart und Freiburg will auch Lörrach Flüchtlinge aus Moria aufnehmen, es gehe um "einen Akt von Humanität", sagte OB Jörg Lutz (parteilos). Auch Lahr will sich in irgendeiner Form an der Hilfe beteiligen.