Wahlkreis Emmendingen – Lahr

Mit Äpfeln und Flyer: Yannick Bury auf Stimmenfang an den Bahnhöfen

Michael Sträter

Von Michael Sträter

Mo, 20. September 2021 um 19:00 Uhr

Kreis Emmendingen

Um sechs Uhr in der früh haben es Pendlerinnen und Pendler an den Bahnhöfen eilig, wollen ihre Züge erwischen. Für den CDU-Kandidaten Yannick Bury dennoch ein Terrain, sich zu zeigen.

"Darf ich ihnen einen Apfel überreichen?" Vielfach stellen Yannick Bury und seine Helfer von CDU-Ortsvereinen oder der Jungen Union diese Frage bei ihren Bahnhofaktionen. Lautet die Antwort ja, dann folgt die Frage, ob es auch noch ein wenig Informationsmaterial zur Bundestagswahl sein darf. Gemeint ist ein Flyer, auf dem vorne groß das Konterfei des CDU-Kandidaten für den Wahlkreis 283 zu sehen ist.

Endspurt im Wahlkampf ist angesagt. Für Bury heißt das in den letzten Wochen vor der Wahl: Der Wecker klingelt um fünf Uhr, es beginnt ein durchgetakteter Tag, "aktuell in der Regel so bis gegen 22 Uhr, 22.30 Uhr, bis ich wieder zu Hause bin", sagt Bury. Dann sichte er noch sein Mailpostfach, bevor er versucht, in den Schlaf zu finden. Denn der nächste Wahlkampftag steht ja kurz bevor, an dem er wieder, wie am vergangenen Donnerstag in Kenzingen, an einem Bahnhof steht. Er möge dieses Format, Menschen direkt anzusprechen, auch wenn er weiß, dass er hier am Bahnhof mit den Pendlern kaum in ein tiefergehendes Gespräch kommen wird. "Wenn wir starten, so gegen sechs Uhr, kommen die ersten Pendler, meist noch müde und mit großer Eile, weil sie ihren Zug erwischen müssen. Später wird es dann weniger hektisch", sagt Bury.
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In Kisten lagern Kaiserstühler Äpfel, die Bury und seine Mannen – es sind an diesem Morgen tatsächlich nur Männer – an Frau und Mann bringen. Mit fortschreitender Tageszeit greifen immer mehr Angesprochene zu. Dabei scheinen sie einer Art Herdentrieb zu folgen. "Wenn in einem Pulk der erste Angesprochene unser Angebot ablehnt, dann machen das die meisten anderen auch. Greift er aber zu, dann tun es auch die anderen", stellt Bury immer wieder fest. Und dass ihn mittlerweile immer mehr Menschen erkennen würden. Tatsächlich kommt einer Frau ein "Danke, Herr Bury" über die Lippen, was dem Kandidaten ein Lächeln ins Gesicht bringt. Zu Beginn des Wahlkampfes, besonders bei den Hausbesuchen, habe er sich in der Regel vorstellen müssen, heute würde er dagegen vielfach direkt mit seinem Namen angesprochen.

Mit neuen Formaten das Gespräch suchen

Bury setzt auf die direkte Begegnung mit den Menschen im Wahlkreis. Nicht nur an den Bahnhöfen oder beim Klinkenputzen. Mit Formaten wie "Grill den Bury" oder "Auf eine Tasse mit" versucht er, mit seinen Gegenübern ins Gespräch zu kommen. Dabei freue es ihn, dass etwa zu den Grillveranstaltungen, die meist von CDU-Ortsvereinen arrangiert werden, nicht nur CDU-Stammwähler kämen. Bei diesen Formaten gebe es eine kurze Ansprache, dann setze sich der Kandidat an die Tische und stehe den Anwesenden Rede und Antwort.

Dabei registriere er eine positive Grundstimmung, die sich in den aktuellen Umfragen nicht widerspiegele. Daher erwarte er gespannt die ersten Prognosen am Wahlabend. Auch durch die große Anzahl der Briefwähler könne das Ergebnis am 26. September ganz anders aussehen als zurzeit vorausgesagt. Gerade für ihn selbst wird der Wahlabend eine Weichenstellung sein. Bury setzt auf das Direktmandat, hat sich nicht für einen Platz auf der CDU-Landesliste beworben. Dass es in diesem Jahr sehr eng werden kann, ist Bury bewusst.

Bury ist auch für den Fall der Nichtwahl abgesichert

Sollte das Direktmandat, das Peter Weiß seit 1998 innehat, für die CDU verloren gehen, werde Bury politisch weiter auf Kreisebene tätig sein. Ob er den CDU-Kreisvorsitz dann behalte, werde im November bei den Wahlen entschieden. Antreten werde er. Beruflich sei er im Falle einer Nichtwahl abgesichert, werde weiter bei seinem jetzigen Arbeitgeber, dem Walter-Eucken-Institut in Freiburg, bleiben.

Aber das ist Zukunftsmusik. Wichtig sei es, jetzt Präsenz zu zeigen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, ohne aufdringlich zu sein; und auch mit einer nötigen Portion Durchhaltevermögen. Da hilft ein Kaffee, den seine Helfer organisieren. Denn der Tag wird wieder lang. Es freut Bury, wenn er von einem Pendler ein "Viel Glück" zugerufen bekommt. Und Bury ist bereits Profi genug, auch ablehnende Kommentare zu verkraften. "Ich würde einen Apfel nehmen, wenn der von der SPD käme", antwortet ein Angesprochener. Bury nimmt es mit einem Lächeln auf, greift in die Kiste und bietet der nächsten Pendlerin einen Apfel an.