Er heißt Kut’zig

In diesem knallroten Cabrio-Bus kann man elsässische Winzerdörfer entdecken

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Di, 23. Juli 2019 um 09:45 Uhr

Elsass

Einstiegen, bitte! "Kut’zig", zu Hochdeutsch so viel wie verwuschelt, heißt ein Bus, der seit kurzem ab dem Bahnhof Colmar zwischen bekannten Winzerdörfern der elsässischen Weinstraße verkehrt.

Die Sonne brennt auf die Nase, die Weinreben sind in sattes Grün getränkt, und der Fahrtwind wirbelt das Haar wild durcheinander, als der rote Bus ohne Verdeck kurz vor Eguisheim in die Kurve geht. "Kut’zig", zu Hochdeutsch so viel wie verwuschelt, heißt ein Cabrio-Bus, der seit kurzem ab dem Bahnhof Colmar zwischen den bekanntesten Winzerdörfern der elsässischen Weinstraße verkehrt.

Von hier aus steuert der Kut’zig Ribeauvillé, Hunawihr, Riquewihr, Kaysersberg, Turckheim, Eguisheim und Voegtlingshoffen an – kurz: einige der beliebtesten Orte im Elsass. Der Vorteil gegenüber einer Tour mit dem eigenen Auto: Umwelttechnisch ist ein Bus immer besser als Individualverkehr. Und wer einsteigt, kann entspannt Landschaft, Orte und Wein genießen.

Ausgedacht hat sich das Konzept Daniel Kunegel, Chef des gleichnamigen elsässischen Busunternehmens. "Wer mit dem TGV ins Elsass reist, will nicht auf die Stadt beschränkt bleiben", sagt Kunegel. Wie also Elsassgäste ins Hinterland bringen? Mit dem öffentlichen Nahverkehr sieht es jenseits der Schulzeiten für Besucher schlecht aus. Ein Angebot wie die Schwarzwälder Konus-Karte für Urlaubsgäste gibt es im Elsass nicht. Deshalb hat sich Kunegel die Doppeldeckerbusse europäischer Großstädte zum Vorbild genommen.

Wer ein Tagesticket erwirbt, darf an den sieben Stationen so oft aus- und wieder einsteigen, wie er möchte. Zwei Fahrzeuge verkehren zeitlich versetzt in entgegengesetzter Richtung auf der Rundtour. Wer in seiner Richtung bleiben mag, muss deshalb bis zur nächsten Abfahrt drei Stunden rechnen. In die umgekehrte Richtung verkürzt sich die Wartezeit um die Hälfte. Ein großzügig getakteter Rhythmus, denn: "Die Gäste sollen die Orte in Ruhe erkunden können oder als Ausgangspunkt für Unternehmungen nutzen", sagt Kunegel.

Dazwischen heißt es: flanieren, besichtigen, spazieren, vielleicht sogar einkehren oder Wein verkosten. Was es vor Ort jeweils zu tun gibt, erklärt eine kostenlose App. Man kann sie während der Fahrt über Kopfhörer nutzen. Die Sprachfassung synchronisiert sich automatisch mit dem Smartphone (und überrascht mit einer blumigen deutschen Übersetzung). Wer mag, hört schon zu Hause hinein, um eine Unternehmung zu reservieren.

In Riquewihr gibt es einen Verleih von Rollern mit Elektroantrieb. Eine Spritztour durch die Weinberge wäre die Alternative zur klassischen Erkundung des Städtchens und dem engen Aufstieg hoch zum Dolder, dem Wehrturm der mittelalterlichen Befestigung und zugleich höchsten Punkt der Stadt.

Hinter dicken Mauern wird dort die Geschichte Riquewihrs erklärt, das bis zur französischen Revolution zu Württemberg gehörte. Auf den Etagen sind Waffen und historische Pläne zu sehen. Von ganz oben geht der Panoramablick bei schönem Wetter bis zum Kaiserstuhl.

Eguisheim ist der vorletzte Halt, bevor der Kut’zig wieder Colmar erreicht. Die Einheimischen verweisen gar zu gerne auf "ihren Papst", Leo IX, in Eguisheim geboren. Auf dem Dorfplatz wacht er, in Sandstein gemeißelt, auf dem Brunnen neben dem Schloss. Und wer von der Tour ordentlich durcheinandergewirbelt ist, der findet in einem Café Gelegenheit, sich für den Rundgang an der Stadtmauer zu stärken oder für die Tour mit einem örtlichen Winzer.
Kut’zig
Tageskarte: 15 Euro, Kinder (3–12 Jahre) 10 Euro. Wer die komplette Tour am Stück fahren möchte, ist knapp 2,5 Stunden unterwegs. Tickets: im Bus, im Internet oder über die App. Fahrtzeiten: Juli, Aug., Sept., Mi–So und feiertags, Juni und Anfang Oktober Fr-So und feiertags; www.kutzig.fr.