"Mit dem Messer zwischen den Zähnen"

dpa

Von dpa

Mo, 08. Februar 2021

Ski Alpin

An diesem Montag beginnt die alpine Ski-Weltmeisterschaft im italienischen Cortina d’Ampezzo.

Die deutschen Ski-Asse waren schon vor der Anreise nach Cortina d’Ampezzo in WM-Stimmung. Noch ehe die motivierten Abfahrer um den blitzschnell genesenen Thomas Dreßen vom Heim-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen in das Schneechaos in den Dolomiten übersiedelten, formulierte Routinier Romed Baumann die Marschrichtung für die anstehende Speed-Woche in Italien. Bei dem Großevent unter Corona-Bedingungen, das an diesem Montag mit dem Kombinationsrennen der Frauen beginnt, geht es um alles oder nichts. "Da fährt jeder mit dem Messer zwischen den Zähnen."

Zwölf Athletinnen und Athleten nominierte der Deutsche Ski-Verband (DSV) für den Saisonhöhepunkt in Cortina, die Hälfte davon sind Speed-Spezialisten und damit die Hoffnungsträger für Teil eins der Titelkämpfe im Olympia-Ort von 1956. Dass neben Dreßen gleich vier weitere Schnellfahrer im Kader stehen, soll ein Erfolgsfaktor für die Außenseiter-Truppe sein. "Ich bin gar nicht so unglücklich, wenn wir fünf haben und nur vier fahren dürfen", sagte der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier über die teaminterne Konkurrenz und verglich: "Nur die hungrigen Wölfe jagen auch wirklich gut."

Bei der WM-Generalprobe in Garmisch war dieser Hunger höchstens zu erahnen. Nach einer verpatzten Abfahrt sorgten Baumann als Zehnter und Andreas Sander auf Rang 13 des Super-G vom Samstag immerhin noch für einen einigermaßen versöhnlichen Abschluss des Heim-Wochenendes. Der junge Simon Jocher rutschte dank eines starken 18. Platzes noch in das WM-Team, das von Dominik Schwaiger als Fünftem komplettiert wird. Insgesamt sind drei WM-Debütanten im DSV-Kader dabei; als deutlich erfahrenster Rennfahrer steht Baumann vor seiner achten WM.
Der Fokus liegt auf Dreßen und dessen erstaunlichem Comeback-Plan. Nach einer Hüft-OP im November, der Rückkehr auf Skiern im Januar und nur sechs Trainingstagen bestritt der Kitzbühel-Champion ein Training und einen Vorlauf in Garmisch. Und auch wenn die Zeiten noch nicht top waren – die Konkurrenz hat den Ausnahmeathleten auf dem Schirm. "Mit ihm muss man immer rechnen", sagte der Schweizer Beat Feuz. Der Garmischer Abfahrtssieger Dominik Paris aus Südtirol wertet die neu angelegte und eher kurze Strecke in den Dolomiten als einfach, von Gleitpassagen geprägt – und damit prädestiniert für Dreßen: "Es geht geradeaus, und da ist es immer schwierig mitzuhalten mit dem Tom." Doppel-Olympiasieger Matthias Mayer aus Österreich erwartet, dass Dreßen "in die letzte Trickkiste ganz tief rein greifen" wird.

Bevor der 27-Jährige ins Training für die Abfahrt startet – den Super-G am Dienstag dürfte er angesichts seines Formaufbaus hin zur Königsdisziplin auslassen – sind andere am Zug. An diesem Montag allerdings noch nicht: Für die Kombination der Frauen hat keine DSV-Starterin gemeldet.