Mit dem Rad oder zu Fuß über die Alb

ds

Von ds

So, 18. Oktober 2020

Südwest

Der Sonntag Mit Elektrounterstützung geht das ruckzuck: Eine Tour bis nach Tuttlingen im Schwarzwald.

Alles eine Frage der Zeit. Man kann die Schwäbische Alb in ein paar Wochen ganz oder abschnittsweise zu Fuß erwandern oder sie ruckzuck mit dem E-Bike durchqueren. Zwei Touren, viele Eindrücke.

Per Rad über die Alb
Gerade erst ist die Sonne über die Berge geklettert, die ersten Strahlen des Tages tauchen das satte Grün der Albwiese bei Bad Urach in ein mildes Licht. Die Bäume werfen lange Schatten. Wir stehen direkt am Albtrauf, der fast senkrecht abfallenden Abbruchkante der Schwäbischen Alb, und genießen kurz, aber intensiv die Ruhe des Morgens. Dann satteln wir wieder auf und machen Tempo.

Unser Ziel: die Schwäbische Alb in sechs Tagen mit dem Rad zu überqueren. Alb-Crossing heißt die Tour, über 370 Kilometer führt sie von Nordwest (Aalen) nach Südost (Tuttlingen). Etwa die Hälfte der Strecke liegt schon hinter uns, dank der E-Bikes sind wir flott unterwegs. Am Ende der Tour werden wir rund 7000 Höhenmeter bewältigt haben.

Obenauf ist das Hochplateau ziemlich flach, an den seitlichen Traufkanten dafür umso steiler. Manchmal geht es Hunderte Meter abwärts. Dementsprechend gestaltet sich das Höhenprofil der Landschaft. Mal schnauft man lange Anstiege hinauf. Dann geht es wieder mit Tempo durch die Ebene. Und schließlich bergab, rasant und mit Wind im Gesicht und der Hand an der Bremse.

Konditionell fordernd sind die 50 bis 70 Kilometer langen Tagesetappen mit ihrem Wechsel von Aufs und Abs durchaus, doch die Strampelei wird belohnt – beim Alb-Crossing rauschen die großen Sehenswürdigkeiten der Alb nur so an einem vorbei: das Limesmuseum, Burg Teck, die Nebelhöhle, Schloss Lichtenstein, Burg Hohenzollern, der Lemberg.

Die lohnenswerten Zwischenstopps und Abstecher machen aus der Tour über die Alb eine echte Radreise, bei der sportliche Ambition und Sightseeing zusammenkommen. Ums reine Kilometer- und Höhenmetersammeln geht es dabei nicht – im Mittelpunkt stehen der Genuss, die Landschaft und die Freude am Radeln.

Für uns geht’s gerade zur Burg Hohenneuffen hoch. Ein Forstweg windet sich hinauf zu der Festung, die in 740 Metern Höhe auf einem Felsen thront. Die letzten paar hundert Meter haben es in sich. Oben angekommen gönnen wir uns erstmal eine kleine Verschnaufpause, runter lassen wir es dann auf Serpentinen durch den Wald laufen. Nach einem kurzen Stück Asphalt biegen wir ab in einen grasigen Feldweg. Links und rechts Streuobstwiesen mit knorrigen Kirsch- und Apfelbäumen, Holzstapel, Schafe, Pferde, Grillenzirpen. Getreidefelder, dazwischen die verwischten Tupfer bunter Herbstblumen. Wir strampeln schon wieder die nächste Anhöhe hinauf, erneut wechselt der Untergrund, nun knirscht Kies unter den Reifen, bevor wir mit sanftem Schwung durch die nächste Senke rollen.

Technisch sind die Strecken gut zu meistern, ist man doch überwiegend auf asphaltierten Radpisten und geschotterten, breiten Forstwegen unterwegs. Nur dann und wann geht es auf weniger befestigten oder schmalen Trails voran. Mit einem soliden Trekking- oder Gravelbike ist man gut aufgestellt. Wir wollten es sportlich angehen, aber auch nicht zu anstrengend werden lassen: Deshalb waren E-Bikes die beste Wahl.


Wanderung über die Alb

Eben noch schlängelte sich der Weg gemütlich mitten durch eine Wiese voller wilder Blumen, nun verschwindet er im dichten Wald und wird mehr und mehr zum schmalen Pfad. Selten nur geben die Bäume eine Aussicht ins Tal frei. Wir steigen schweigend über das knorrige Wurzelgeflecht mächtiger Buchen hinweg, genießen die Stille, als sich der Blick in die weite Landschaft unerwartet öffnet: Schräg gegenüber steht auf einer Bergkuppe die imposante Burg Hohenzollern, ganz nah und doch weit weg, märchenhaft und ein bisschen unwirklich.

358 Kilometer ist der Albsteig zwischen Donauwörth und Tuttlingen lang, er führt auf überwiegend naturbelassenen Pfaden einmal quer über die Schwäbische Alb. Der Fernwanderweg lädt ein, länger zu Fuß unterwegs zu sein, sich Zeit zu nehmen für diese Landschaft mit ihren vielen Gesichtern. Und vielleicht ja auch für ein paar neue Erfahrungen mit sich selbst.

Mehr als zwei Wochen braucht man, wenn man jeden Tag eine längere Strecke geht, das hat schon etwas von einer Pilgerrunde. Wir haben dieses Mal leider nur wenig Zeit, absolvieren Teiletappen. Aber die Idee, irgendwann einmal den ganzen Weg zu machen, wandert mit.

Der Albsteig folgt meist der Traufkante am Nordrand des Hochplateaus. Manchmal geht es nur wenige Schritte neben dem Weg fast senkrecht tief hinab, dann wieder durch sattgrüne Wiesen. Ab und an hämmert ein Specht, da summen Bienen von Blüte zu Blüte.

Immer wieder bieten sich Panoramen, die so schön sind, dass das Herz vor Freude hüpft. Wurzelüberzogene, schmale Pfade führen durch märchenhafte Wälder, vorbei an moosbewachsenen Bäumen und Felsen. Man trifft auf wilde Bächen, grasende Schafe, durchstreift weite, karge Flure, um dann wieder stundenlang durch dichten Wald zu wandern.

Wer es schafft, den Alltag schnell hinter sich zu lassen, den erwartet auf der Alb etwas Wertvolles: ein besinnliches Naturerlebnis. Denn die Welt um uns herum ist wie stummgeschaltet, die Landschaftsbilder wechseln ganz allmählich. Die Natur ist mal lieblich, mal wild, selten rau, oft im selben Moment aufregend abwechslungsreich und beruhigend gleichbleibend.

Beim Wandern auf der Schwäbischen Alb geht es nicht ums Ausloten der Extreme, sondern um Ausgleich. Ein bisschen verdientes Muskel-Ziepen gibt es natürlich auch – schließlich ist die Alb ein Mittelgebirge, da geht es schon auch rauf und runter.

Am Hangenden Stein bei Albstadt, einem markanten Felsen, der sich über die Albtraufkante wölbt, legen wir eine Rast ein. Es erfordert ein bisschen Mut, auf den Felsen zu klettern – die Weitsicht belohnt aber dafür.

Eintönig wird es auf dem Hochplateau der Schwäbischen Alb nie, zu viel Sehenswertes wartet am Wegesrand: geschichtsträchtige Orte und Plätze, eindrucksvolle Burgen und Schlösser, uralte Höhlen. Für die sollte man sich auf jeden Fall Zeit nehmen auf dieser Tour, genauso wie für den ein oder anderen Abstecher ins Tal, für die kleinen und großen Abenteuer am Wegesrand, für ein ausgedehntes Mittagessen in einem urigen Gasthaus oder den Plausch mit einem Albschäfer. Für uns schon steht fest: Wir kommen wieder und beim nächsten Mal gehen wir den Albsteig ganz. Versprochen!
Infos: Die Radstrecke führt über 368 Kilometer und 7000 Höhenmeter von Aalen nach Tuttlingen. Der Albsteig verläuft auf dem Fernwanderweg HW1, der schon vor über 100 Jahren vom Schwäbischen Albverein angelegt wurde. Über 358 Kilometer führt er in individuell einteilbaren Etappen von Donauwörth nach Tuttlingen. http://www.schwaebischealb.de
Die Reportage über die Radtour und die Wanderung stammt von Autoren des Tourismus Marketing Baden-Württemberg