Mit feinen Klängen und Anekdoten ins Jubiläumsjahr

Paul Eischet

Von Paul Eischet

Di, 14. Januar 2020

Zell im Wiesental

Neujahrskonzert der Stadtmusik Zell als gelungener Hörgenuss / Ehrenvorstand Thomas Kaiser erheitert mit Erinnerungen.

ZELL. Mit einem bravourösen Neujahrskonzert startete die Stadtmusik Zell am Sonntag in der Stadthalle in ihr Jubiläumsjahr. 175 Jahre und kein bisschen leise – auch an diesem Tag präsentierte sich das Orchester unter Leitung von Stadtkapellmeister Markus Götz auf gewohnt hochklassigem Niveau. Zu hären gab es außerdem Anekdoten von Thomas Kaiser.

"Jetzt geht’s los" – eine passendere Eröffnung hätte Markus Götz für das Neujahrskonzert nicht wählen können. Der schmissige Marsch von Franz Lehár verbreitete beim Publikum umgehend gute Laune. Nach der Ouvertüre aus der Operette "Leichte Kavallerie" von Franz von Suppé traten die beiden Flötistinnen Chiara Ganio und Steffi Welte ins Scheinwerferlicht. "Duettino für zwei Flöten und Orchester" aus der Feder von Franz Albert Doppler ist ein Stück mit hohem Anspruch, dem die beiden Solistinnen mit ihrem spielerischen Können zu jedem Zeitpunkt gerecht wurden. Operettenhits aus dem Singspiel "Im weißen Rößl" von Ralph Benatzky rundeten den ersten Konzertteil ab. Im zweiten Konzertteil begannen zum Walzer sogar einige Besucher zu tanzen.

Bürgermeister und Präsident der Stadtmusik Zell, Peter Palme, der Präsident des Alemannischen Musikverbandes, Peter Hässler, und eine Abordnung der Feuerwehr Zell traten zwischendurch ans Mikrofon, um ihre Laudationes auf die Stadtmusik zu halten. Vor allem die Rede von Ehrenvorstand Thomas Kaiser wird den Gästen in Erinnerung bleiben. Seine mit Anekdoten gespickte Rückschau sorgte beim Publikum ein ums andere Mal für herzhaftes Gelächter. Schelmisch erinnerte er an Zeiten, in denen bei den Proben noch geraucht wurde. So habe "der unvergessene Hans Öschger" regelmäßig Zigarre gequalmt, die er nur dann in den Notenständer klemmte, wenn er sein Es-Horn zum Spielen ansetzte. Unvergessen auch das Narrentreffen in Freiburg, bei dem Dirigent Edgar Kaiser und über die Hälfte der Musiker in einer Gaststätte die Zeit vergaßen. "So mussten wir mit 17 Musikern an der Ehrentribüne, auf der auch der Ministerpräsident saß, vorbeimarschieren", erinnerte Kaiser. Besonders unangenehm sei dies für Albert Sütterle gewesen, der noch versuchte, mit seiner Klarinette hinterher zu springen – und prompt vom Fernsehen als "Staffelläufer" eingefangen wurde. Erinnerungswürdig auch, wie im Jahr 1988 vom damaligen Dirigent Hermann Egner und Vorstand Thomas Kaiser die zweite Langspielplatte der Stadtmusik Zell in einer Live-Sendung beim Schwarzwald-Radio Freiburg vorgestellt wurde. "Dies hatte nichts damit zu tun, dass der Sender kurze Zeit später dn Betrieb einstellte", so Kaiser. Erwähnung fand auch Posaunist Hanspeter Kummerer, der wegen seines "kräftigen Tones" nur selten zu Bläsergruppen bei kirchlichen Anlässen eingeteilt wurde. Als Ersatz für diese entgangenen Auftritte gründete er vor über 20 Jahren die "Zeller Wildsaumusik". Diese bestreite heute mehr Konzerte als die Stadtmusik. Die Stadtmusik kann auf eine ereignisreiche Geschichte zurückblicken. Gegründet am 8. August 1845 als reiner Männer-Verein, wurde um die Jahrhundertwende der Name Stadtmusik Zell i.W. angenommen. 50 Pfennig kostete damals der Eintritt zu ihrem ersten großen Konzert. 1937 erfolgte der Zusammenschluss mit der Feuerwehrmusik und der Cäcilia-Musik zur neuen Stadtmusik Zell.

2014 trafen sich der damalige Vereinsvorstand Edgar Kaiser und Markus Götz zufällig in einem Schopfheimer China-Restaurant. Bei Peking-Ente und Raki wurden sie sich einig, und beim Frühjahrskonzert 2015 stand dann Götz hinter dem Dirigentenpult. Der Rest ist Erfolgsgeschichte.