Pandemie

Wie das Homeoffice die Büromode verändert hat

Benjamin Freund

Von Benjamin Freund (dpa)

Di, 28. September 2021 um 10:07 Uhr

Liebe & Familie

Der Anzug ist der modische Verlierer der Corona-Pandemie. Geht es nach Designern, trägt man künftig Jogginghose zum Jackett. Dieser Stil wird sich aber nicht bei allen Unternehmen durchsetzen.

Haben Sie vor der Pandemie im Büro einen Anzug getragen? Diese Mode verändert sich. Zumindest wenn es nach den Designern geht, trägt man künftig Jogginghose zum Jackett. Der Anzug ist der große modische Verlierer der Corona-Krise – "und wird sich auch nie wieder davon erholen", sagt Carl Tillessen, Trendanalyst beim Deutschen Modeinstitut.

Eine gewagte These, aber eine nachvollziehbare nach all den Monaten, in denen Bürojobs mehrheitlich im Homeoffice erledigt wurden. Die ersten Auswirkungen dieser neuen Arbeitssituation sind nun im Handel zu sehen: Designer und Modelabels lassen Jogginghose oder Kapuzenpulli zum Blazer oder Jackett tragen.

Jogginghose und Blazer

"Der Trend geht ganz klar ins Legere", sagt die Stilberaterin Lisa Zimmermann aus Berlin. Was heißt das konkret? Bei der Frauenmode gibt es bei den Blazerkombinationen eine Entwicklung zu den weiten Schnitten und zu einer Ergänzung um sportliche Elemente. Etwa um die Jogginghosen. Aber man darf hier nicht die ollen Buxen von der Couch erwarten. Es gibt seit Längerem schon sehr schicke Exemplare für den Alltag. Sogar in den klassischen Schnitten einer Anzughose, mit Bundfalten.

"Wenn sie mit schönen Stoffen von Blazern kombiniert werden, können Jogginghosen sogar edel aussehen", sagt Zimmermann daher. Unter dem Blazer rät sie Frauen zum T-Shirt oder Seidentop. Designer nutzen verstärkt auch gemütliche Stoffe für Anzug- und Blazerkombinationen. Das ist zwar nicht neu, denn gerade hochwertige Anzüge sind längst bequemer als manche Jeans. Nun aber gibt es auch viele Modelle aus Jersey- und Strickstoffen.

Kapuzenpullover und Sakko

Und auch die Bürooutfits für Männer verändern sich. "Die Krawatte ist total out", sagt Stilberaterin Zimmermann. Dafür aber werde gerne noch zum Einstecktuch gegriffen, wenn auch hauptsächlich zu formalen Anlässen. Tillessen sieht das ähnlich. Seine "elegante Alternative zu Hemd und Krawatte": Ein wertiges Strickpolohemd unter dem Anzug, dazu schlichte Sneaker. Oder man trägt nur noch das Hemd zur Anzughose. Auch die Männeranzüge sind weiter geschnitten als noch vor einigen Jahren. Dadurch könnten Männer überhaupt erst Kapuzenpullover unter ihren Sakkos tragen. Und das ist nicht mal eine auffällige Kombination. Diese Rolle nehmen Schlaghosen oder Baggypants zum Sakko ein.

All diese Entwicklungen aber sind erstmal Sache der Modebranche – und jener Arbeitnehmer und Freischaffenden, die sie auch wirklich tragen können. Es gibt nach wie vor Unternehmen, in denen es eine Pflicht zur klassischen Anzugkombination gibt, auch wenn diese bereits in den vergangenen Jahren häufig etwas gelockert wurden.