Mit Kettensäge und Farbeimer

Helmut Rothermel

Von Helmut Rothermel

Do, 21. März 2019

Waldkirch

Gemeinschaftsausstellung mit Werken von Rainer Braxmaier und Peter Hauck beim Kunstforum in Waldkirch.

WALDKIRCH. Seit 30 Jahren stellen der Maler Rainer Braxmaier aus Oberkirch und der in Emmendingen lebende Bildhauer Peter Hauck immer wieder gemeinsam aus. Skulptur, Relief, Zeichnung und Malerei der beiden – rund 70 Werke, die vorwiegend in den letzten zwei Jahren entstanden – sind in der nächsten Ausstellung im GeorgScholzHaus-Kunstforum zu sehen. Eröffnung ist am Sonntag.

Betritt man den großen Ausstellungsraum, ziehen bereits jetzt die raumgreifenden Holzskulpturen von Peter Hauck den Blick auf sich. Seine Arbeiten sind die ihm eigene Art der Auseinandersetzung mit Landschaft, mit der Natur, die er mit genauem Blick beobachtet und deren Strukturen und Übergänge, deren Prozesse des Wachsens und Vergehens, etwa die Schmelzprozesse in Eis und Schnee, ihn faszinieren.

Wie fast jeder Bildhauer sei er von der Ursprünglichkeit und Kraft der afrikanischen Skulptur beeindruckt. Sehr stark habe ihn aber die Gotik beeinflusst, die das Massive in Leichtigkeit und Durchlässigkeit verwandelt. Man denkt dabei etwa an die Durchbrechung der Außenwandfläche der gotischen Kathedrale oder die dem Stein oder Holz abgerungene Zart- und Feinheit der Skulptur. Oder auch an den – von vorne gesehen – eleganten Jüngling in der Turmvorhalle des Freiburger Münsters, dessen Rückansicht den schönen Schein entlarvt: Kriechende Kröten, Schlangen und Molche zeigen seinen faulen Kern.

Ebenso interessiert sich Peter Hauck für das Innere seiner Objekte, weshalb er ihre Form aufbricht und Verborgenes sichtbar macht. Diese manchmal sehr fragilen Skulpturen erschafft Hauck mit Werkzeugen, die eher Assoziationen ans Grobe wecken: Kettensäge, Winkelschleifer, Stechbeitel und Geißfuß kommen zum Einsatz. Andererseits gibt es auch scharfe Schnitte, Kanten und Kerben, die Charakteristisches hervorheben. Starke Kontraste erzeugt die, teils knallige, Farbigkeit der Werke. Vermittelnd zwischen Skulptur und Malerei wirkt ein gespachteltes Flachrelief. Am Anfang des Schaffensprozesses seiner unbetitelten Werke hat der Künstler noch keine bildnerische Idee im Kopf, höchstens gibt es eine Stoßrichtung oder formale Grundidee, die sich im Werden entwickelt.

Teils gegenständlich, teils abstrakt sind die Gemälde und Zeichnungen von Rainer Braxmaier. In manchen Fällen sei der Gegenstand des Malens schon vorgegeben, die "Naturähnlichkeit" löse sich aber im Schaffensprozess rasch auf und weiche dem subjektiven Eindruck, sagt Braxmaier. Ein Beispiel sind die in der Ausstellung zu sehenden roten Schuhe, für welche das Schuhwerk der Päpste als Vorlage diente. Boote und Frauenkörper sind wiederkehrende Motive.

Seine abstrakten Werke entstehen oftmals durch das Schütten oder Streichen von Farbe auf eine am Boden liegende Leinwand. Dann beginnen die sich bildenden Formen ein Eigenleben und an den Seiten geben sichtbare Reste der nacheinander aufgetragenen Farbschichten Einblick in den Entstehungsprozess. Bei manchen Bildern sei aber auch die Zartheit des verwendeten Papiers Ausgangspunkt, welche die Farbgestaltung dann leitet. Das runde Holz einer Kabeltrommel bildet die Folie, deren Form sich ein geschwungener Frauenkörper angleicht. In zartem Rosa erscheint die fast aufgelöste "zerbrochene Seele".

Eine Serie von Zeichnungen bildet ein Figurentheater, bei dem jeweils zwei Menschen oder Mensch und Tier miteinander agieren und eine kleine Geschichte zu erzählen scheinen. Zur Erläuterung stehen auf den Bildern auch kurze Texte. Vielfältig ist das Material, auf das der Künstler aufträgt: Hartfaserplatten, gefundene Pappkartons, Schrankelemente, verschiedenes Papier und anderes. Neben Farben aus dem Baumarkt wird auch das Schmutzwasser von ausgewaschenen Pinseln verwendet, was oftmals interessante Färbungen ergebe, sagt der Künstler. Manchmal finden sich auch eigentlich nicht zusammenpassende Farben provokativ nebeneinander, denn Braxmaier möchte keine "bequemen" Arbeiten präsentieren.

Info: Die Ausstellung "Holz und Farbe" mit Malerei von Rainer Braxmaier und Skulptur von Peter Hauck ist vom 24. März bis 27. April im GeorgScholzHaus-Kunstforum Waldkirch in der Schlettstadtallee 9 zu sehen. Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, den 24. März, um 11 Uhr. Am Donnerstag, 4. April, um 19 Uhr, findet ein Kunstgespräch mit den Künstlern statt. Öffnungszeiten der Ausstellung: Freitag und Samstag, 15-18 Uhr; Sonntag 11-16 Uhr; Karfreitag und Ostermontag 11-16 Uhr.

Das weitere Begleitprogramm findet man auf der Website vom Kunstforum unter http://www.georg-scholz-haus.de.