Miteinander leben, voneinander lernen

Patricia Hoffhaus

Von Patricia Hoffhaus

Do, 25. März 2021

Lörrach

Bei Lörrach International stellen Menschen aus den Partnerstädten solidarische Projekte vor / Ziel ist der interkulturelle Austausch.

. Gäste aus Italien und England stellten ihre solidarischen Projekte für eine vielfältige Gesellschaft in Lörrach vor. Der Verein Lörrach International hat Menschen aus den Partnerstädten zu einem Onlinegespräch eingeladen, um über die Funktion von Partnerstädten heute und in Zukunft zu sprechen. Bei der Veranstaltung während der Internationalen Wochen gegen Rassismus stand am Montagabend auch die Bedeutung des interkulturellen Austauschs im Mittelpunkt.

Geschichte der Partnerstädte
Lörrach arbeitet mit Städten aus verschiedenen Ländern, wie unter anderem Senigallia in Italien oder Chester in England, zusammen. Nach dem Zweiten Weltkrieg freundeten sich erste Kommunen miteinander an und verfolgten das Ziel, den Frieden zu wahren. Städtepartnerschaften seien künftig genauso wichtig, wie sie es in der Vergangenheit waren, sagt Oberbürgermeister Jörg Lutz. Im Laufe der Zeit hätten sich die Partnerschaften gewandelt, erklärte Alt-Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm, die Ehrenmitglied von Lörrach International ist. Mittlerweile unterscheiden sich projektgebundene Partnerschaften und Verbundpartnerschaften.

Manche Städte arbeiten zusammen, um eine bestimmte Herausforderung zu bewältigen, wie den Klimawandel. Andere Kommunen schließen sich zusammen, um globale Herausforderungen effizienter zu bewältigen, erläuterte Heute-Bluhm. In der Pandemie habe viel interkulturelle Arbeit online stattgefunden, denn Reisen war nicht immer möglich. Die neu erschlossene digitale Zusammenarbeit ergänze nun Austauschprogramme und Besuche Abgeordneter. Als weiteren Vorteil bezeichnete Heute-Bluhm, neue Kontakte über virtuelle Treffen knüpfen zu können. "Für die Zukunft können wir so auch junge Menschen erreichen, die sich ohnehin online aufhalten."

Im Ausland Vorurteile abbauen
Um für junge Menschen einen Austausch mit anderen Kulturen herzustellen, gibt es das Programm Berufsbildung ohne Grenzen der Handels- und Handwerkskammern. Deutsche und ausländische Auszubildende können darüber ausländische Praktika absolvieren oder einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland verbringen. "Die Azubis sollen sich persönlich weiterentwickeln und interkulturelle Kompetenzen erlangen", sagt Heike Schierbaum von der Handwerkskammer Freiburg. Es sei eine Möglichkeit miteinander zu leben und voneinander zu lernen und so Vorurteile abzubauen. "Die Grenzen, die sich in den Köpfen gerade durch Corona aufgebaut haben, müssen wieder eingerissen werden", findet Schierbaum. "Das machen wir, indem wir die jungen Menschen in die Welt schicken."

Vielfalt und Solidarität
In anderen Ländern lassen sich Projekte entdecken, die Solidarität und Vielfalt in der Gesellschaft fördern. So hat Walter Mariotti in Lörrachs italienischer Partnerstadt Senigallia eine Klinik für alle eröffnet. Jeder kann sich in der Ambulatorio solidale behandeln lassen, unabhängig vom Pass oder der Versichertenkarte. "Wir sind keine Klinik für Arme", betonte Walter Mariotti. "Wir wollen niemandem einen Stempel aufsetzen: Wenn du zu uns kommst, bist du arm. Wir sind vielmehr eine Klinik für alle, die Hilfe brauchen." 90 Freiwillige unterstützen dieses Projekt, 44 von ihnen sind ehrenamtlich tätige Ärzte.

Im Race and Equality Center in Chester unterrichtet Nicola Oldfield Englisch. Der Unterricht ist für alle kostenlos und Teilnehmer aus der ganzen Welt, wie Mexiko, Spanien oder Thailand, lernen in den Kursen gemeinsam. Es gibt zusätzlich Klassen für geflüchtete Menschen aus Syrien. Sie können Englisch lernen und zusätzlich an einem Freundschaftsprogramm teilnehmen. Nicola Oldfield erklärt, dass die Menschen im Unterricht viel voneinander lernen: "Manchmal weinen wir alle in den Klassen, wenn Geflüchtete von ihrem Trauma erzählen." Aktuell werden 21 syrische Familien in dem Programm unterstützt. Nicola Oldfield sagte, sie würden in der Wohltätigkeitsorganisation gegen Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen kämpfen.