Zweiter Weltkrieg

Moral Bombing: Darüber spricht man nicht

Klaus Müller

Von Klaus Müller

Sa, 03. August 2002 um 00:00 Uhr

Deutschland

Das "moral bombing" der Alliierten im Zweiten Weltkrieg war ein Kriegsverbrechen, vor allem an den Kindern. Doch das Thema ist bis heute tabu.

W ährend des Kosovokrieges meldete die Nato gelegentlich "Kollateralschäden". Gemeint waren Zivilisten, die bei den Luftangriffen auf Fabriken oder Kommunikationszentren unbeabsichtigt getötet worden waren. Dagegen erhob sich Empörung, am lautesten in Deutschland. Vor allem wegen der Kinder unter den Opfern. Während des Zweiten Weltkriegs töteten britische und amerikanische Bomben 800 000 deutsche Zivilisten. Darunter hunderttausende Kinder. Und eine unbekannte Zahl wurde fürs Leben traumatisiert. Kollateralschäden auch dies?

Um den Krieg zu gewinnen, "müssen wir zuvor einen ganzen Haufen deutscher Zivilisten töten", erklärte Sir Arthur Harris nach seiner Ernennung zum Chef des britischen Bomber Command 1942, heute vor 60 Jahren. Und 1947: "Die Zerstörung von Industrieanlagen erschien uns stets als eine Art Sonderprämie. Unser eigentliches Ziel war bei allen Angriffen stets die Innenstadt."

Harris' Bomber führten Krieg gegen die deutsche Zivilbevölkerung. Deren Moral sollte gebrochen und so die Kriegsproduktion zum Erliegen gebracht werden. Faktisch beteiligten sich auch Amerikaner am moral bombing. Das Töten möglichst vieler Zivilisten war eigentliches Ziel der Luftangriffe gegen Städte; ihre Kollateralschäden waren Industrie- und Militäranlagen.



Doch um dieses Thema ist es still in der Welt, besonders in Deutschland. Dabei war die vom italienischen Fliegergeneral Douhet 1920 entwickelte, von Churchill bereits 1924 übernommene und von Harris in die Tat umgesetzte Luftkriegsdoktrin völkerrechtswidrig, moralisch verwerflich und militärisch unsinnig. Darin sind sich viele britische und amerikanische Militärs, Historiker und Geistliche einig.

Noch während des Krieges, 1944, verurteilte der Bischof ...

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