Klassik

Mozart, das ganz junge Genie: "Wolferls Erste" mit dem Freiburger Barockorchester

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Fr, 15. Februar 2019 um 19:25 Uhr

Klassik

Genie wird man nicht – man ist es: Das Programm "Wolferls Erste" mit dem Freiburger Barockorchester stellte Sinfonien des Buben Wolfgang Amadeus Mozart vor.

Und was haben wir als Achtjährige so gemacht? Vermutlich keine Sinfonien geschrieben. Und schon gar nicht eine solch fulminante wie Wolfgang Amadeus Mozart 1764 als seinen ersten, noch dreisätzigen Beitrag zur Gattung in B-Dur KV 16.

Die Interpretation durch das Freiburger Barockorchester im voll besetzten Konzerthaus hätte ihm vermutlich Spaß bereitet. In phantastischer Frische, mit springenden Bögen, jauchzenden Hörnern und Oboen braust das einleitende Allegro molto voran; und wenn die von Gottfried von der Goltz (erste Violine) und Petra Müllejans (zweite Violine) angeführten Streicher ihre Sechzehntel-Tremoli launig explodieren lassen, klingt das wie eine Vorahnung der maschinellen Revolution – die Wolfgang Amadé nicht erleben sollte. Apropos Vorahnung: Das c-Moll-Andante mit seinen ostinaten Bassrhythmen lässt einem zeitweise den Atem stocken. Da ist Schuberts Unvollendete nah – kann ein Achtjähriger so welterfahren, weise sein? Er kann. Im Presto-Finale der wenig später entstandenen F-Dur-Sinfonie KV 19a scheint ein unheimliches Moll-Grummeln durch, im Andante hat Mozart für die Bratschen ein originelles Dreiklang-Motiv parat. Genie wird man nicht – man ist es.

"Wolferls Erste": Vier frühe Mozart-Sinfonien hat das FBO unter diesem Titel im Programm – ein Presto (aus der G-Dur-Sinfonie KV 45a) gibt’s noch als Gratisdraufgabe. In allen Fällen ist die Spiellaune und -leidenschaft ansteckend. Die Bläser agieren mit frechem bis sinnlichem Ton – und mit einer Ausnahme (erster Satz KV 22) ist auch das Spiel der beiden Hörner perfekt. Für Aha-Effekte sorgen die kurzen Solokadenzen von Kontrabass (KV 19a) und Horn (KV 16) – angewandte Spielpraxis aus der Zeit. Einer Zeit, in der auch andere agierten: wacker und "ungenial". Johann Christoph Friedrich Bachs Sinfonie d-Moll, komponiert vor 1768, ist näher am konzertierenden Barock als an der damaligen Zukunft. Und über Giuseppe Maria Cambinis braves Flötenkonzert Nr. 3 D-Dur gibt es wenig zu sagen: Außer dass Daniela Lieb den Solopart mit hinreißender Galanterie auf der Traversflöte spielt, ob in der Kantilene des ersten Satzes oder bei den Seufzer-Tönen im Adagio. Große Spiellaune lässt sie auch den fünf Mozart’schen Kontretänzen auf der Piccoloflöte angedeihen. Tanzmusik mit Streichern und Trommel ist das, ausgelassen, einmal den eigenen "Figaro" zitierend. Entstanden kurz vor Wolferls Tod. Mozart – das Mysterium.