Müder Körper in der roten Zone

Armin Küstenbrück

Von Armin Küstenbrück

Di, 18. August 2020

Mountainbike

Mountainbikerin Adelheid Morath macht die Doppelbelastung Wettkampfsport und Studium zu schaffen, dennoch hat sie ihren ersten Saisonsieg errungen.

. Mountainbikerin Adelheid Morath (KS Trek-Team) hat ihren ersten Sieg in dieser Saison eingefahren. Bei einem Marathon in Neustadt an der Weinstraße gewann sie die Ultrastrecke über 91 Kilometer (2040 Höhenmeter) in 4:24,51 Stunden. Es hätte ein Vorbereitungswettkampf für ein bedeutenderes Rennen sein können, das heute in der Schweiz beginnt: das Swiss Epic, eines der herausforderndsten Mountainbike-Etappenrennen der Welt für Zweierteams. Fünf Renntage, 350 Kilometer und 12 000 Höhenmeter.

"Da wäre ich gerne dabei gewesen", sagt die Adelheid Morath, die in St. Märgen aufgewachsen ist und in Freiburg wohnt, traurig. Im vergangenen Jahr hatte die 36-Jährige gemeinsam mit ihrer Partnerin Bettina Janas die fünftägige Hatz durch die Ostschweizer Berge gewonnen. Doch 2020 ist alles anders, nicht nur wegen Corona: "Ich konzentriere mich derzeit darauf, endlich mein Studium als Ernährungsberaterin abschließen zu können", sagt Morath. Sie hat das wettkampflose Frühjahr und den rennarmen Sommer genutzt, um sich auf ihre Laufbahn nach dem Sport zu fokussieren. "Das bedeutet nicht, dass ich nicht trainiert habe." Aber eine Woche vom Computer wegzubleiben, das will und kann sie sich dieser Tage nicht leisten, der nächste Studienblock steht unmittelbar bevor.

Morath: "Ich mag einfach das Hochalpine"

Vor einigen Wochen nahm sie dennoch am dreitägigen Engadin Bike Giro teil, dem ersten großen Rennen in Mitteleuropa nach der Corona-Pause. Ohne spezifische Vorbereitung und trotz kurzfristiger Anmeldung hatte sie den vierten Platz belegt. "Ich mag einfach das Hochalpine, das ist genau mein Ding", sagt sie und ihre Augen funkeln. "Der Kurs dort ist sehr technisch, es gibt viel mehr Berge und Anstiege und ich mag auch das Fahren in der Höhe."

Mit dem Rothaus Bike Giro im Hochschwarzwald, der am Donnerstag mit dem Prolog startet, sei das nicht zu vergleichen. Der hiesige Bike Giro mit zwei Etappen am Notschrei/Todtnau und zwei Etappen in Grafenhausen ist kürzer und näher. Deswegen wird die Freiburgerin hier an den Start gehen.

"Viele hatten mir schon davon vorgeschwärmt, vor allem von den vielen Singletrails", sagt Morath zu dem Wettkampf in Neustadt an der Weinstraße. Ein Marathon, der fast ein bisschen wie ein ultralanges Cross-Country-Race daherkommt. "Ich konnte da am Sonntagmorgen hinfahren und war am Abend wieder zurück: Das ist für mein Studium optimal und für den Körper konnte ich endlich wieder einen deutlichen Belastungsreiz setzen", erzählt Morath. Sie vermisse es schon, regelmäßig in dieser Jahreszeit Rennen zu fahren, Training sei halt doch etwas anderes. "Da tat mal wieder richtig gut, den Körper in die rote Zone zu bringen."

Das Wetter half ihr dabei: Temperaturen von mehr 35 Grad zehrten doch erheblich. "Ich bin völlig dehydriert ins Ziel gekommen", sagt Morath nach den 91 Kilometern durch den Pfälzer Wald. Morath fuhr von Anfang an alleine vorneweg, ihre hartnäckigste Widersacherin Stefanie Dohrn konnte ihr nicht folgen. "Ich hatte während des Rennens keine Informationen, wie weit Steffi zurückliegt. Das war auch nicht wichtig für mich. Ich habe mich auf mein Rennen konzentriert, auf meine Belastung."

Morath: "Ich will immer gut sein: im Sport und im Studium"

Morath was als Erste im Ziel, Dohrn überquerte viereinhalb Minuten später die Linie. "Das hat richtig Spaß gemacht", fasste Morath ihren Ausflug in die Pfalz zusammen. "Die vergangenen zwei Jahre war ich am Limit" erzählt sie. Die Doppelbelastung durch Wettkampfsport und Studium war enorm, der externe und interne Leistungsdruck hoch. "Ich will immer gut sein. Im Rennen und im Studium. Ich mache das Studium nicht, damit ich nebenher Radfahren kann, sondern ich möchte einen guten Abschluss schaffen. Ich bin auch da richtig motiviert."

Dennoch: Die Doppelbelastung kostet Kraft und Energie. "Mein Körper ist auf einem guten Niveau, aber oft bin ich einen Tick zu müde." Das Studium sei zwar keine körperliche Arbeit, aber es ist mental anstrengend und koste eben auch Energie: "Wenn nur ein paar Prozent fehlen, dann fehlen eben diese Prozente. Auf dem Niveau, auf dem ich fahre, kann das dann schon viel ausmachen."

Welche Rennen Morath 2020 noch fahren wird und welche überhaupt noch stattfinden werden, steht derzeit in den Sternen. "Natürlich wäre ich gerne beim einzig verbliebenen Weltcuprennen in Nove Mesto dabei und dann natürlich bei der Weltmeisterschaft". Aber 2020 habe bei ihr das Studium Vorrang. "Dann kann ich 2021 wieder frei und unbeschwert an die Rennen herangehen und bin dann auch wieder leistungsfähiger."