Musikalischer Abschied von einem Garten

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 19. Oktober 2020

Grenzach-Wyhlen

Improvisiertes Trio spielt bei Finissage der Ausstellung von Jeanette Frei in Wyhlen.

. Gefühlvolle Jazz-Songs, groovender Sound und Punsch zum Aufwärmen gab es bei einem Freilichtkonzert am Samstag zum Abschluss der Ausstellung von Jeannette Frei "Im Garten" in der Casa Flor in Wyhlen. Eigentlich hätte das Vokaltrio "The Clays" auftreten sollen. Weil inzwischen Zürich und Zug zu Risikogebieten erklärt wurden, konnten Katharina Frener und Josipa Mingard aber nicht anreisen. Als Einzige vom Sängerinnen-Trio übrig blieb Vera Walden, Tochter der Künstlerin Jeannette Frei, die nahe Stuttgart lebt. Also wurde umdisponiert, damit das Konzert nicht abgesagt werden musste.

Die junge Sängerin holte sich ihren Vater Rudolf Wahl an der Gitarre und Bernd Herzog (Bass und Gitarre) an die Seite und stellte kurzerhand ein neues Programm zusammen. Vera Walden freute sich, dass so viele Leute gekommen waren und das Wetter insofern mitspielte, als es zwar kühl, aber trocken war. Die Zuhörer verteilten sich im weitläufigen Garten auf Bänken und Stühlen, unter Bäumen, wärmten sich am alkoholfreien, selbst gemachten Glühpunsch und genossen das Konzert mit Titeln aus Jazz und Pop.

Die beiden Musiker spielten sich mit einem Instrumentalstück warm, das quasi als Soundcheck herhalten musste. Dann stieg Sängerin Vera Walden in "One Note Samba" mit ein. Der Latin-Jazz-Song war bestens geeignet, um die frische Oktoberkälte ein paar Grade aufzuheizen. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme und ihrem emotionalen Gesang gelang das Walden auch im Bossa Nova "Corcovado" von Antonio Carlos Jobim, instrumental mit rhythmischer Verve unterstützt. Auch der Jazz-Standard "Fly me to the moon" ging geschmeidig ins Ohr dank Waldens einfühlsamem Gesang.

Zur Atempause für die Sängerin spielten die gewieften Jazzmusiker ein Stück von Rudolf Wahl, "Blues in my Shoes". Auch wenn sie nicht proben konnten, klappte es mit dem rhythmisch vitalen Zusammenspiel und bluesigen Feeling. Zurück auf dem Podium vor dem Atelierhäuschen, sang Walden das ruhige "Don‘t know why" von Norah Jones und den Hit "Nur noch kurz die Welt retten" von Tim Bendzko. Ein einprägsames Lied, das auf die aktuelle Lage passt, fand die Sängerin. Poetisch und träumerisch wurde es in dem Lied "Flügel", das davon handelt, dem Alltag zu entfliehen und Traurigkeit, Hass und Betrug hinter sich zu lassen. Als letztes Stück brachte das Trio ein eigenes Lied für den Garten, umgedichtet auf eine bekannte Melodie. "Du wirst mir fehlen", sang sie in diesem wehmütigen Abschiedslied für den wild-verwunschenen Garten, in dem sie und ihre Schwester aufgewachsen sind und der dem Bau der Umgehungsstraße weichen muss. Auch die vielen Besucher nutzten die letzte Gelegenheit, sich die Bilder und Installationen in diesem Naturparadies anzuschauen.