"Süden II"

Musiker Werner Schmidbauer: "Das Album ist politischer geworden"

Gabriele Fässler

Von Gabriele Fässler

Mo, 02. März 2020 um 17:22 Uhr

Denzlingen

Die "Schmidbauer Pollina Kälberer Tour" gastiert am Mittwoch in Denzlingen. Werner Schmidbauer spricht im Interview über die Unterschiede zwischen den Alben "Süden" und "Süden II".

Nach ihrem ersten gemeinsamen Album "Süden" und einer längeren Pause, während der sie ihren Soloprojekten nachgingen, setzen die drei Musiker Werner Schmidbauer, Pippo Polina und Martin Kälberer ihre gemeinsame Reise fort und präsentieren "Süden II".

BZ: In einer Ankündigung zu Ihrer Tour 2020 heißt es, dass Menschen mit dem Begriff "Süden" etwas ganz bestimmtes verbinden, etwa einen Sehnsuchtsort. Was verbinden Sie damit?

Schmidbauer: Wenn ich im Dezember in Sizilien ankomme, liegt dort ein Kräuterduft in der Luft. Das mag ich sehr gerne. Auch innerhalb Deutschlands bin ich im Süden, in Oberbayern. So verbinde ich mit Süden auch Skitouren auf Berge, die ich allein besteige und in der Sonne und Stille eine Brotzeit halte. Süden ist für mich aber auch Indien, wo ich einige Male war und eine starke Heimat gefunden habe. Süden hat so viele Facetten. Auf keinen Fall verbinde ich damit einen Pauschalurlaub in Rimini.



BZ:
Wie würden Sie nach dem Album "Süden" (2012) die Fortsetzung Ihrer gemeinsamen Reise im aktuellen Album "Süden II" beschreiben?

Schmidbauer: Das Programm hat sich in dem Sinne weiterentwickelt, dass wir sechs Jahre älter und Herren in der Mitte der Fünfziger sind. Da ist natürlich vieles passiert. So hört man auf dem Album auch viele altersentsprechende Dinge. Es gibt Abschiede und Aufbrüche. Die Kinder sind groß. Ein Lied von Pippo besingt, was er mit seinen Kindern wohl versäumt hat, weil er dauernd auf Tour war.



BZ:
Wie setzt sich das aktuelle vom ersten Album ab?

Schmidbauer: Das jetzige Album ist viel politischer geworden. Das Thema Süden bedeutet weit mehr als Urlaubsstimmung. Es bedeutet, dass der Süden momentan leidet und Menschen millionenfach fort gehen müssen. Es passieren dort klimatische und politische Katastrophen. Das haben wir aufgegriffen und wir bekennen uns ganz klar zu den humanistischen Grundsätzen unserer Verfassung. Neben dieser Dimension ist beim Album "Süden II" hinzugekommen, dass unsere Freundschaft sich verändert.



BZ:
Inwiefern?

Schmidbauer: Wir sind noch näher zusammen. Dadurch wächst die Spielfreude sehr stark. Wir stehen nicht nur auf der Bühne, weil wir damit unser Geld verdienen und das unser Beruf ist, sondern es handelt sich wirklich um ein Freundesprojekt. Wir genießen diese gemeinsame Zeit.



BZ:
Ihre Freundschaft haben Sie ja auch während der vergangenen Jahre gepflegt, als jeder von Ihnen seines Weges gegangen ist.

Schmidbauer: Seit zehn Jahren verbringen wir Silvester zusammen auf Sizilien, wo Pippo herkommt. Im Einstiegssong des Albums "Richtung Süden" wird der Silvestertag ziemlich genau beschrieben. Darin kommen auch die Worte "für immer Massimo" vor. Massimo war Pippos Bruder, der vor eineinhalb Jahren gestorben ist und immer mitfeierte.



BZ:
Wie kann man sich Silvester auf Sizilien vorstellen?

Schmidbauer: Der Ort, wo wir uns treffen, ist ein mittelalterliches Dorf am Meer, etwa eine Stunde von Palermo entfernt. Dort feiert die Bevölkerung im Freien. Auf der Piazza brennt ein Feuer, es werden lange Tafeln aufgebaut und die Leute bringen Wein und Essen mit. Musik wird gespielt und es wird getanzt. Wir sind mit unseren Freunden und Familien zuerst unten in einem Haus am Meer, wo wir gemeinsam essen und singen. Später gehen wir rauf ins Dorf und feiern mit den Menschen.



BZ:
Erinnern Sie sich daran, wie Sie Martin Kälberer und Pippo Pollina kennengelernt haben?

Schmidbauer: Martin kenne ich seit den frühen 1990er Jahren. Wir beide waren über 23 Jahre als Duo unterwegs und haben etliche CDs produziert. Pippo haben wir Anfang der 2000er kennengelernt, als wir im Publikum eines seiner Solo-Konzerte saßen. Damals ist eine Saite seiner Gitarre gerissen. Er fragte – rein prophylaktisch – ob jemand wisse, wie man eine Gitarrensaite wechselt. Ich habe mich daraufhin gemeldet. Während er ein Stück auf dem Klavier spielte, wechselte ich die Saite. Anschließend improvisierten wir noch zusammen ein Lied. Aus dieser ersten flüchtigen Begegnung entwickelte sich unsere Freundschaft.
Werner Schmidbauer, geboren 1961, veröffentlichte 1994 seine erste CD mit selbst geschriebener Musik. Er moderierte im Bayrischen Rundfunk (BR) die Talkshow Live aus dem Alabama. Aktuell moderiert er die Reihen Gipfeltreffen und Aufgspuit. Das Konzert findet am Mittwoch, 4. März, statt. Einlass ist um 19 Uhr. Tickets gibt es in den Geschäftsstellen der Badischen Zeitung und auf bz-ticket.de.

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