Nach dem Knall

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 07. März 2021

EHC Freiburg

Eishockey-Zweitligist EHC Freiburg verliert seinen Erfolgstrainer Peter Russell.

Nach langer Siegesserie hat der DEL-2-Club EHC Freiburg vergangene Woche wieder verloren. Für Wirbel sorgte aber vor allem die Ankündigung des vorzeitigen Abgangs von Erfolgstrainer Peter Russell zum Saisonende.

Der Schotte wechselt zur kommenden Spielzeit zu Liga-Konkurrent Ravensburg. Er hinterlässt eine große Lücke.

Am Mittwoch nach dem Knall wollte Wölfe-Trainer Peter Russell von einem Knall nichts wissen: "Es ging hier nie um mich und es geht auch jetzt nicht um mich", bat der 46-jährige Schotte um Verständnis, die wichtigste Nachricht der vergangenen Woche nicht kommentieren zu müssen. "Das war bisher unsere Stärke und soll auch jetzt unserer Stärke sein", so der Freiburger Eishockey-Trainer, "wir lassen uns nicht ablenken."

Doch angesichts der Tragweite schlug es durchaus große Wellen, als vergangene Woche bekannt wurde, dass Russell den DEL-2-Club Freiburg zum Saisonende vorzeitig verlässt. "Er macht von einer Ausstiegsklausel Gebrauch", kommentierte Wölfe-Vorsitzender Werner Karlin den Abgang des Erfolgstrainers, "wir müssen uns jetzt relativ kurzfristig darum bemühen, einen guten Nachfolger zu präsentieren."

Peter Russell will nicht im Vordergrund stehen

Russell wird ab diesem Sommer den Zweitliga-Konkurrenten Ravensburg Towerstars trainieren. Die Neuigkeiten überraschten in der Szene viele Experten. Ravensburg gilt nicht als Club, der in den kommenden Jahren die Infrastruktur hätte, um in die DEL aufzusteigen.

Durch den Abgang steht aber fest, dass nach der Saison eine kleine Ära endet. Der britische Nationaltrainer übernahm die Wölfe vor der vergangenen Spielzeit. Der Club war gerade knapp dem Abstieg entronnen. Keine zehn Monate später beendete die Pandemie die Saison vorzeitig. Russell aber hatte in der Zwischenzeit ganze Arbeit geleistet. Die Spielzeit endete für die Wölfe auf dem dritten Rang. Ein sportliches Ausrufezeichen. In Freiburg hoffen sie, dass sie dem Ausrufezeichen dieses Jahr noch einmal eine Steigerung folgen lassen können: "Wenn wir in die Playoffs kommen, war es eine gute Saison", sagt Vorsitzender Karlin, "wenn wir es ins Halbfinale schaffen, dann war sie sogar richtig gut."

Die Aussichten darauf sind nicht schlecht. Seit Jahresbeginn präsentieren sich die Kufen-Cracks in herausragender Verfassung. Im Februar gewann das Team um Kapitän Simon Danner neun Spiele in Folge. Erst die 3:4-Niederlage vergangenes Wochenende in Frankfurt unterbrach den famosen Wölfe-Lauf. Dadurch hat sich der EHC erneut in die Top 3 vorgeschoben. Woher der Erfolg rührt? Russell findet: "Wir machen immer weiter, glauben an den Fortschritt und haben eine tolle Atmosphäre." So hat er schon immer geredet, seit er in Freiburg ist: Mit Pathos und einem klaren Plan hat er die Wölfe auch durch eine kritische Phase im Januar geführt, als sein Team vier Spiele in Serie verlor.

Die große Stärke des EHC ist die defensive Struktur um den starken Tormann Ben Meissner. Dieses Jahr zeigen sich die Wölfe auch in der Offensive ausgesprochen kaltschnäuzig. "Da haben wir einen großen Schritt gemacht", findet Russell, der sich aber dennoch keine großen Ziele für die Playoffs entlocken lässt: "Wir wollen so weit kommen, wie wir es schaffen."

Karlin hat vor allem imponiert, wie das Team die vielen personellen Rückschläge verkraftet hat. "Denn eigentlich haben wir nicht die personelle Tiefe, um das direkt aufzufangen." Diese Erfahrung macht ihm Mut. Und deshalb ist ihm auch nicht bange, wenn nun Offensivkraft Jordan George angeschlagen ausfällt. 14 Spiele ist die Saison noch lang. Russell verspricht: "Meine Konzentration liegt ausschließlich darauf."

Werner Karlin indes wird ein wenig mulmig, wenn er daran denkt, dass nach der Saison die Ära Russell endet, "und es eine unglaublich erfolgreiche Zeit war, die wir aber weitgehend ohne unsere Fans im Eisstadion verbringen mussten." Dem Briten wiederum ist das gerade sogar ganz recht. Er will mit seinem Abgang nicht im Vordergrund stehen. Dass er es dennoch tut, zeigt, wie viel er in seinen zwei Spielzeiten in Freiburg bewegt hat.