Israel

Beschneidung: Willkommensgruß oder Körperverletzung?

Igal Avidan

Von Igal Avidan

Fr, 27. Juli 2012

Ausland

Israel ist das Land der Beschneidung. 98 Prozent der Juden – auch die meisten säkularen – und fast alle Muslime werden beschnitten. Ist auch dort das Familienfest mit Blutstropfen umstritten?

Eine gelöste Stimmung herrscht im Festsaal der Stadt Rishon Letzion südöstlich von Tel Aviv. Ballons in Form von Schnullern hängen von der Decke, Anspielung auf die bevorstehende Zeremonie: eine Beschneidung. Gastgeber Eli Kalderon hat auf Geheiß des Rabbi Menachem Fleischman alles vorbereitet: zwei Gebetsschals, zwei Babyunterhosen, ein Kopfkissen, eine antiseptische Salbe zur Wundheilung. Kalderon ist aufgeregt, denkt aber, dass sein Neugeborener in guten Händen ist, denn Fleischman hat schon Kalderons ersten Sohn beschnitten.

Pünktlich erscheint der 61-jährige Rabbi zusammen mit dem Beschneidungsanwärter Moshe Stern. Denn Fleischman ist auch Regionalkontrolleur der Beschneider im Auftrag des Oberrabbinats. Seinen Beruf hat er, seit der legendäre Mentor der Chabad-Dynastie, Menachem Mendel Schneerson, ihn dazu gesegnet hatte. Dessen Bild und Unterschrift zieren seine Visitenkarte.

Israel ist das Land der Beschneidung. 98 Prozent der Juden – auch die meisten säkularen – und fast alle Muslime werden beschnitten, die jüdischen Kinder fast immer am achten Tag, die meisten muslimischen am siebten. Dafür sind 400 vom Oberrabbinat autorisierte Beschneider zuständig; alle sind religiöse Juden, 20 von ihnen Ärzte.

Der Verein ...

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